Konzertabsage

Kate Tempest sagt ihr Konzert in der Volksbühne ab

Die englische Sängerin, Poetin und Israelkritikerin Kate Tempest hat sich entschieden, in Berlin nicht aufzutreten. Angeblich gab es Drohungen gegen ihre Person

Eddie Otchere

Es läuft nicht rund bei der Volksbühne. Jenseits der Diskussionen um die neue Ausrichtung des Hauses in Bezug auf Repertoire, Ensemble und weitere Personalpolitik und die ohnehin nicht abnehmende Empörung über die Abberufung von Frank Castorf, hätte man doch annehmen können, dass die neue Volksbühne unter Chris Dercon zumindest in Sachen Popkultur Akzente setzen wird und für Begeisterung sorgt. Dem ist erst einmal nicht so.

Der erste popmusikalische Höhepunkt im Programm sollte ein Auftritt von Kate Tempest werden. Die britische Rapperin wollte am 6. Oktober mit Orchester und Chor im Volksbühnen-Ableger in Tempelhof auftreten und ihr aktuelles Album „Let Them Eat Chaos“ zur Aufführung bringen. Nun sagte sie das Konzert ab, Grund seien Drohungen gegen ihre Person. Der Hintergrund ist Tempests Einsatz für die BDS-Bewegung („Boycott, Divestment and Sanctions“), die sich lautstark und prominent gegen Israel positioniert und Künstler aufruft, nicht in Israel aufzutreten sowie jegliche Zusammenarbeit mit israelischen Institutionen zu unterlassen. Bereits im Rahmen des Pop-Kultur-Festivals im August gab es dazu eine Debatte und mehrere Musiker aus dem arabischen Raum zogen sich vom Festival zurück, als Grund wurde eine Förderung in Höhe von 500 Euro genannt, die aus Israel stammte.

Tempest hat 2015 ein offizielles Boykottschreiben des BDS unterzeichnet, neben ihr auch illustre Künstler wie Jarvis Cocker, Brian Eno, Robert Wyatt und Matthew Herbert. Chris Dercon kommentierte die Absage: „Ich bedauere es sehr, dass Kate Tempest sich entschieden hat, nicht in Berlin aufzutreten. Das ist eine riesige Enttäuschung für uns und die vielen Besucher, die sich auf das Konzert gefreut haben. Obwohl ich ihr Unwohlsein in dieser Situation verstehen kann, hätte ich mir gewünscht, dass sich die Künstlerin für einen Dialog mit ihrem Publikum geöffnet hätte. Dafür machen wir Kunst“.

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