Konzerte & Party

Keith Richards: Crosseyed Heart

Keith RichardsEin eröffnendes Statement der Autarkie als Title-Track, dann signalisiert „Heartstopper“ perfekte Stones-Tauglichkeit: In diesem Spannungsfeld hat Keith Richards die fünfzehn Cuts seiner dritten Solo-LP angelegt. Analog aufgenommen, klanglich fein texturiert, besticht „Crosseyed Heart“ nicht zuletzt durch seine stilistische wie emotionale Bandbreite. Auf „Amnesia“ kokettiert Richards mit dem Alter. „I can‘t recall the past“, flunkert der Geschichtsgelehrte im Reverb-Ambiente, „I didn‘t even know the Titanic sank“. Mit „Robbed Blind“ folgt ein Steel-geschwängertes Country-Lament in der Tradition von „You Got The Silver“. Danach knallt es, „Trouble“ kratzt und beißt, bevor der auch auf Jamaica beheimatete Reggae-Aficionado mit Gregory Isaacs‘ liebeskrankem „Love Is Overdue“ seinen Heißhunger auf synkopische Beats und schimmernde Bläser stillt. „Illusion“ singt Keith im bittersüß-balladesken Duett mit Norah Jones, „Something For Nothing“ mit Schmackes zu souligem Background-Chor. Leadbellys „Goodnight Irene“ wird nicht wie so oft auf den gefühligen Refrain eingeengt, sondern in seiner Zerrissenheit ernstgenommen, der Riff & Slide-Rabatz „Substantial Damage“ fällt in die Kategorie honoriger Stones-Derivate. Zur bewährten Studio-Crew gehörten neben Co-Songwriter Steve Jordan auch Bernard Fowler und Waddy Wachtel. Und Keiths einstiger Busenkumpel Bobby Keys, der ja inzwischen leider nicht mehr lebt, dessen wie immer draufgängerisch geblasenes Saxofon aber nochmal auf „Blues In The Morning“ zu hören ist, einem unzeremoniell polternden Boogie im Chuck-Berry-Modus. Spooner Oldhams gewiefte Orgel unterlegt am Ende den Memphis-Soul von „Lover‘s Plea“, Keith Richards appelliert inständig, weiß freilich um die Vergeblichkeit seines Flehens: „It‘s enough to make an old man weep“. Yep.

Text: Wolfgang Doebeling

Keith Richards, Crosseyed Heart (Republic/Universal)

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