Konzerte & Party

Kele im Astra-Kulturhaus

KeleEine der spaßigsten Lästereien Noel Gallaghers richtete sich einst gegen Bloc Party. Die Band um Kele Okereke sehe aus wie eins der oberschlauen Studententeams aus der britischen Quizshow „University Challenge“. Doch mit dem bierernsten Indie-Boy von 2002 hat der Songschreiber Okereke heute nicht mehr viel zu tun, zumindest nicht seit seinem Soloalbum „The Boxer“. Die Songs darauf wirken mit ihrer Betonung auf Beats und Loops wie eine schlüssige Weiterführung der Ideen, die Bloc Party bereits in Songs wie „Mercury“ angetippt hatten. Das Schlüsselinstrument, die E-Gitarre, hat Kele weitgehend gegen das elektronische Instrumentarium von Dance-Produzenten eingetauscht. Gesanglich sucht er Kontraste: Teils singt er durch Verzerrer und Effekte, in der ruhigen zweiten Albumhälfte klingt seine Stimme dagegen unmittelbar und verletzlich. Frappierender als die Klangpalette aber hat sich das Äußere des Sängers gewandelt, der sich erst in diesem Jahr zu seiner schwulen Lebensweise bekannte. Auf der Albumhülle posiert der Sohn nigerianischer Einwanderer als Boxer in einer Kampfpause – mit edel ausgeleuchteter Bizeps-Landschaft. Und auf der Bühne überrascht Kele zurzeit als leichtherziger Performer. „On stage I feel the purest I ever feel“, bekennt er. Offenbar musste der Mann erst aus der Deckung der Band heraustreten, um das Spiel mit der Selbstinszenierung zu entdecken.

Text: Ulrike Rechel

Kele, Astra Kulturhaus, Do 25.11., 21 Uhr, VVK: 21 Euro

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