Konzerte & Party

Kendrick Lamar: To Pimp A Butterfly

Kendrick Lamar: To Pimp A ButterflyDass er zu einer tief greifenden Analyse seiner Lebenssituation und der aller Schwarzen in den USA in der Lage sein und sie über die Dauer von 78 Minuten in ein anspruchsvolles musikalisches Konzept einbetten könnte, ist dann aber doch eine Überraschung.
Lamar beginnt seine Exploration mit einem Sample aus Boris Gardiners „Every Nigger Is a Star“ aus dem Jahr 1973 und macht mit einem P-Funk-Jam weiter, an dem George Clinton persönlich und der aus dem Flying-Lotus-Umfeld stammende Bassist Thundercat beteiligt sind. Eine AB-Nachricht von Dr. Dre ist auch noch enthalten. All das gehört zu einem Track, wohlgemerkt. Durch „King Kunta“ zieht sich ein treibender Groove mit reichlich Bass und eine Erzählung, die sich so aufgeheizt wie auf den jüngsten Arbeiten von Kanye West anhört. Mit zunehmender Dauer verfinstert sich die Stimmung. Gebetsmühlenartig wiederholt der Kalifornier, wie sich in ihm Feindseligkeit in Depression verwandelt. „Lovin’ you is complicated“, klagt er in „u“ zu meditativen Jazz-Akkorden. Spätestens an dieser Stelle wird klar, wie sehr sich Lamar von gängigen Ritualen entfernt. Er bevorzugt den Anschluss an die Fusion-Ära der 70er. An eine Zeit, als alle seinerzeit gängigen Stile der schwarzen Musik zusammenliefen und mit tiefgründigem Gedankengut versetzt wurden. Marvin Gaye, Gil Scott-Heron und Rahsaan Roland Kirk sind nur drei Musiker, deren Werk Lamar auf seinem aktuellen Weg touchiert.  
Am Ende, in der schon vorab veröffentlichten Single „i“, ist wieder alles gut. „I love myself“, insistiert der erst 27-Jährige da. Man sollte sich genau anhören, was er so alles durchmacht. Das gehört sich einfach, angesichts dieser exzeptionellen Leistung.

Text: Thomas Weiland

Kendrick Lamar, To Pimp A Butterfly (Interscope/Universal)

Mehr über Cookies erfahren