Konzerte & Party

Kettcar in der Columbiahalle

Kettcar

Scheiße, schon 40. Drüber sogar. Vor sieben Jahren sang Marcus Wiebusch auf dem zweiten Kettcar-Album „Vom Spatzen und Tauben, Dächern und Händen“ noch: „Das Gute an schlechten Zeiten: Pferde satteln, weiterreiten.“ Sieben Jahre. Lange Zeit. Lange her. Jetzt sind die fünf Überzeugungshamburger (mit dem neuen Drummer Christian Hake), eben jenseits der 40. Da geht’s ans Eingemachte. Beziehung pflegen, Kinder einschulen, vom Krebs verschont bleiben. Knapp zehn Jahre nach dem Debütalbum „Du und wieviel von deinen Freunden“, auch nach dem Start ihres Labels Grand Hotel van Cleef (wo sich die Gründer Wiebusch und Bassist Reimer Bustorff wie auch Thees Uhlmann zuletzt zugunsten ihres Hauptberufs rar gemacht haben), werden Kettcar auf „Zwischen den Runden“ grundsätzlicher, existenzieller, mit mehr an Leonard Cohen geschulten Geschichten statt bloßen Zustandsmeldungen. Wegreiten ist nicht mehr. Das führt nirgendwo hin. Die Kneipe, die Bar, der Club rettet auch nur bis zum nächsten Morgen, wenn überhaupt, „nach letzten Gefechten“ („Im Club“). So weint man auch nicht mehr im Taxi, sondern findet Linderung in einem arg­losen Sonntagmorgen („Schwebend“). Das neue Album, das wie die drei Vorgänger in den Charts auf Platz fünf ging, ist auch ruhiger, geigenlastiger. Die 2009er-Tour mit Streichern echot nach. Klar, Kettcar werden es live wieder krachen lassen. Es wird aber ruhige Blöcke geben – um es mit Marcus Wiebusch zu sagen: „Mal sehen, wie das Publikum uns folgt. Aber wir ziehen das jetzt durch.“ Wie immer.

Text: Erik Heier

Foto: Andreas Hornoff

Kettcar, Columbiahalle, So 11.3., 20 Uhr, VVK: 24,50 Euro

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