Konzerte & Party

Killing Joke spielten im Postbahnhof

Killing Joke

Die Temperaturen tagsüber sind frühsommerlich, aber das interessiert abends keinen mehr. Jedenfalls nicht im Postbahnhof, wo sich ganz in Schwarz gewandete Gestalten versammelt haben, um im Dunkeln den bevorstehenden Weltuntergang zu zelebrieren. Gastgeber sind Sänger Jaz Coleman und die anderen Mitglieder der Originalbesetzung von Killing Joke. Sie sind seit jeher Experten auf dem Gebiet von düsteren Vorhersagen und 2012 besonders motiviert. Ihr neues Album haben die Engländer nach der lateinischen Schreibweise des laufenden Jahres benannt. Es dominiert diabolischer Donnerhall, der sich dann auch wie ein roter Faden durch das Konzert zieht. An vorderster Stelle steht Coleman, der sich mit Overall und Kriegsbemalung wie ein Hexenmeister aus der Hölle aufführt. Er stiert geradezu in die Menge, läuft unruhig auf und ab und stößt in einem fort Anfeuerungsrufe aus. Dieser Besessene kann unmöglich anders. Er glaubt wirklich an seinen Auftrag im Sinne des apokalyptischen Rock’n’Roll. Neben Coleman spielt Geordie Walker stoisch seine Riffs, wühlt Youth am Bass und trommelt der in seiner Wirkung nicht zu unterschätzende Paul Ferguson animalisch und präzise. Ein brutales Teufelswerk zwischen Post-Punk, Metal und Industrial-Rock, das durch Mark und Gebein geht. Nuancen? Fehlanzeige. Durch „European Super State“ zieht sich in der Studioversion ja eine Electro-Grundierung, aber die radiert man beim Live-Auftritt einfach weg. Killing Joke spielen so lautstark, brachial und kompromisslos auf, dass die meisten Fans nur staunend zugucken anstatt wie wild zu tanzen, was sich durchaus anbieten würde. Aber vielleicht kennen sie einige Stücke gar nicht. Neben Songs vom neuen Album konzentriert sich die Band auch auf ihr epochales Frühwerk mit „Wardance“, der dazugehörigen B-Seite „Pssyche“ und „Change“ an der Spitze. Eine Band pflegt ihr eigenes Erbe, gibt aber auch zu erkennen, dass sie ihren Stil an der jeweiligen Zeit ausrichten kann. Ideal eigentlich.

Text: Thomas Weiland

Foto: POP-EYE / Kriemann

Mehr über Cookies erfahren