Konzerte & Party

King Krule im Heimathafen Neukölln

KingKrule_c_promo_Wer Archy Marshall vor nicht allzu langer Zeit im Internet suchte, der fand den Songschreiber unter dem Alias Zoo Kid. Ein Name, der irgendwie passte zu dem Jüngling im Teenalter, der mit seinen Segelohren und dem altmodischen ernsten Gesicht zum roten Lockenschopf aussah wie der Protagonist eines englischen Kinderdramas. Doch als ewiges „Kid“ will der Spross einer Londoner Künstlerfamilie nicht missverstanden werden.

Als King Krule hat der inzwischen 19-jährige Schulabbrecher und ehemalige Student der Kreativschmiede Brit School einen stattlichen Hype entfacht: mit Songs, in denen er mit angeschossenem, rohen Baritontimbre von Dingen singt, die einem jungen Selbstbeobachter wie ihm an die Nieren gehen: von Einsamkeit, Zurückgewiesenwerden, den eigenen inneren Abgründen und Zweifeln. Dazu erklingt seine in Hall badende E-Gitarre, die manchmal in jazzgefärbte Exkursionen abdreht und den Hintergrund mit ihren eigenen feinen Erzählungen ausfüllt.

Manchmal formen sich aus Bass, schmaler Elektronik und zurückgenommenem Schlagzeug halbwache TripHop-Tracks, und im noch als Zoo Kid im Internet lancierten „Baby Blue“ klingt Marshall so, als erlebe man ihn gerade in einem unbeobachteten Moment, während er sich im Halbrausch den Blues von der Seele singt. Hinter den scheinbar minimalistischen Stücken seines Debütalbums „6 Feet Beneath The Moon“ steckt eine interessant eigenwillige Stilfülle irgendwo zwischen Billy Braggs jugendlicher Frustration, The Clash und heutiger Laptop-Poesie а la The Streets. London gibt dabei einmal mehr die düster ausgeleuchtete Kulisse ab.

Text: Ulrike Rechel

King Krule Heimathafen Neukölln, Mi 9.4., 21 Uhr, VVK: 18 Ђ zzgl. Gebühr

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