Konzerte & Party

Kinky Friedman im Lido

Kinky Friedman

Müsste man das Wesen von Kinky Friedman mit nur einem Wort beschreiben, was keine leichte Aufgabe wäre, ist der 70-jährige Schnauzbartträger mit schwarzem Cowboyhut gleichermaßen kontrovers wie multitalentiert, müsste man wohl auf den Begriff des Individualisten zurückgreifen. Individualismus, eine Eigenschaft, die zutiefst in der amerikanischen Kultur verankert ist. Und wohl nur in ihren Untiefen konnte jene Antiheldenfigur wie der „Kinkster“ entstehen. Dieser bärbeißige, ätzend ironische und doch so großherzige Mann, der US-Präsidenten, Hollywoodstars und Bob Dylan zu seinen Freunden zählt, hart gekochte Krimis über einen New Yorker Privatdetektiv und dessen Katze verfasst, Hunderten von alternden Tieren auf seiner Echo Hill Ranch einen angenehmen Lebensabend sichert und als Kind zu den besten Schachspielern seiner Generation zählte. Ah, richtig, Gouverneur von Texas wollte er auch werden. Mit dem Slogan „Why The Hell Not?“ erhielt er 2006 immerhin 13 Prozent der Stimmen im „Lone Star State“. Friedmans Musikerlaufbahn begann in den späten Sechzigern, ein gutes Dutzend Alben mit bösem Country ist seitdem erschienen. Schwarzer Humor, Sarkasmus und Zynik brachten ihm selbst den Titel „Male Chauvinist Pig of the Year“ ein, verliehen von der National Organization for Women, der Welt aber wunderbar politisch unkorrekte Songs wie „They Ain’t Makin’ Jews Like Jesus Anymore“ und „Ride ’Em Jewboy“, Letzterer angeblich von Nelson Mandela während seiner Gefangenschaft auf Robben Island besonders geschätzt. Derzeit ist der sarkastische Country-Individualist auf „A Journey In Time“-Tour unterwegs. Im Gepäck sind Balladen und Midtempo-Nummern, durch die sich hier und da der Blues und Jazz schlängeln und zwischen denen der geborene Entertainer gerne Anekdoten aus seinem ereignisreichen Leben einstreut.

Text: Jacek Slaski

Kinky Friedman, Lido, Cuvrystraße 7, Kreuzberg, Di 17.2., 20 Uhr, ?VVK: 20,70 Euro

Mehr über Cookies erfahren