Konzerte & Party

Kiss in der Waldbühne

Kiss

tip Die neue Besetzung mit Tommy Thayer an der Gitarre und Eric Singer am Schlagzeug gibt es nun auch schon gut zehn Jahre. Wie fühlt Ihr euch als Band denn mittlerweile?
Gene Simmons Wir kommen spitze miteinander aus. Die Musik ist super, die Chemie stimmt. Das ist ein Wagen mit Vierradantrieb. Und damit genau das, was wir von Kiss immer wollten – wir wollten immer wie die Beatles auf Steroiden sein. Jedes Mitglied in der Band ist wichtig, jedes Mitglied ein Star und jeder darf mal ans Mikro und ins Scheinwerferlicht. Das Besondere an Kiss im Vergleich zu allen anderen Bands der Menschheitsgeschichte ist zudem: Wir stehen nicht nur auf der Bühne. Alle von uns heben ab. Paul fliegt übers Publikum, ich fliege bis auf Boxenturmhöhe. Tommy steht auf der Hebebühne und Erics Schlagzeug schießt auch in die Luft. Uns hat es noch nie gereicht, live einfach nur einen Song nach dem andern zu spielen. Die Band ist in Top-Form. Vielleicht besser denn je.
Paul Stanley Ein großes Problem, was unsere Band immer wieder erfahren hat, war die Instabilität der Besetzung. Unser Reunion-Album „Psycho Circus“ von 1998 war ein Albtraum, weil es da Kiss als Band nicht wirklich gab. Zwei Leute saßen im Studio und wollten eine Kiss-Platte machen, während die anderen beiden uns ihre Anwälte auf den Hals schickten. Erst mit Tommy und Eric als nunmehr stabiles, festes Line-up wollte ich überhaupt wieder ein neues Album machen.

tip Bei einigen eurer Ex-Mitglieder gab es große Schwierigkeiten mit Alkohol- und Drogenexzessen. Du und Gene seid scheinbar nie in diese Falle getappt …?
Paul Stanley Man muss sich nur anschauen, wer alles auf der Strecke geblieben und wer noch am Leben ist. Ich bin nicht nur jetzt drogenfrei, sondern war auch nie jemand, der viel eingeworfen hat oder dauernd drauf war. Es ist also kein Zufall, dass Ihr heute noch mit mir sprechen könnt!

Kisstip Paul, auf dem aktuellen Album singst du eine Nummer namens „Freak“. Kann man sich mit über 60 Jahren und als Multimillionär immer noch als rebellischer Außenseiter fühlen?
Paul Stanley Unter welchen Umständen man auch immer lebt, auch wenn man reich oder arm ist, kann man ein Freak sein. Das ist eher als eine Erklärung von individuellem Stolz gemeint. Ich bin noch dieselbe Person, die ich schon immer war. Und ein Freak zu sein, ist nicht etwas, was man nur auf das Äußere reduzieren kann und muss. Es ist eher ein Lebensgefühl. Dabei geht es für mich nicht um Rebellion – ich habe nichts, wogegen ich rebellieren kann. Alles was ich mache, ist mein Leben so zu leben, wie ich es für richtig halte. Es macht keinen Sinn, sich gegen das System zu stellen. Viel besser ist es, das System einfach zu ignorieren. Der Song ist so etwas wie meine persönliche Unabhängigkeitserklärung.

tip Ihr habt bereits verkündet, dass Kiss in unbestimmter Zukunft auch gänzlich ohne Originalmitglieder bestehen könnten. Wie darf man sich das vorstellen?
Paul Stanley Dass ich ab einem gewissen Punkt nicht mehr aktiv in der Band sein werde, ist einfach nur realistisch. Die Philosophie bei Kiss war immer schon, dass niemand von uns unersetzbar ist. Das Kiss-Konzept ist, dass die Band größer ist als ihre individuellen Bestandteile. Das bedeutet zwangsläufig, dass diese Regel auch für mich persönlich gilt. Die Annahme, dass Kiss nur aus den immer gleichen vier Leuten bestehen kann, ist genauso albern wie die Vorstellung, dass ein Fußball-Club nur in einer einzigen Mannschaftsaufstellung funktionieren kann. Es wird also der Tag kommen, an dem ich nicht mehr aktiv in der Mannschaft sein werde. Und ich bin absolut zuversichtlich, dass es Leute gibt, die meinen Platz einnehmen und auf ihre ganz persönliche Weise der Band neue spektakuläre Impulse geben können.

tip Bevor es jedoch so weit ist: In diesem Jahr bestehen Kiss seit 40 Jahren. Habt Ihr etwas Besonderes zum Jubiläum geplant?
Paul Stanley Überhaupt 40 Jahre Kiss zu feiern, reicht doch schon aus. Wir machen, was wir immer machen, wir gehen raus und spielen Shows. Alle abermaligen Wiedervereinigungs-Fantasien mancher Leute sind völlig absurd und lächerlich. Wir werden gewiss nicht eine bestimmte Besetzung oder den Anfang der Band feiern, sondern ihr Überleben. Und das in ihrer jetzigen Form. Wir feiern, dass wir einfach noch am Start sind.
Gene Simmons Wir haben vor, eine Weile da draußen zu bleiben und zu spielen und es all den kleinen Jungs zu zeigen, wie es die großen richtig machen!

Interview: Frank Thiessies

Kiss, Waldbühne, Mi 12.6., 19 Uhr, VVK: 55 Euro zzgl. Gebühr

Mehr über Cookies erfahren