Kommentar

„Klangwolken“ von Stefan Hochgesand

Manche behaupten ja, Berlin sei das nächste Silicon Valley. Was für Silikonscherzkekse!

Stefan Hochgesand

Aber in einer Branche stimmt es ja fast: beim Sound. Der Berliner Musiksoftware-Hersteller Ableton etwa gehört weltweit zu den drei Marktführern im Bereich Sequencerprogramme. Gefühlt jeder zweite internationale Electro-Act arbeitet mit deren Sound-Software Ableton Live im Studio und auf der Bühne.
Und dann ist da noch der Streaminganbieter Soundcloud, der 2008 als Startup in Berlin begann. 175 Millionen streamten dort 2014 (neuere Zahlen werden nicht kommuniziert) – da machen uns die Spotify-Schweden mit 140 Millionen Usern nix vor! Das internationale Standing von Soundcloud ist immens. Die neuseeländische Sängern Lorde, die Vorschusslorbeeren von David Bowie bekam und inzwischen von der internationalen Musikpresse vergöttert wird, begann ihre Karriere auf Soundcloud. Sound-cloud ist bei jungen Hiphoppern von Los Angeles bis zum neuen Hotspot Florida die erste Adresse, um ihre Tracks aus dem Block in die Welt zu ballern: Soundvolle Namen wie XXXTentacion, Lil Pump, Smokepurpp und $uicideboy$ tragen sie und sind der letzte Schrei der Kids. Doch all das könnte ein Ende nehmen. Soundcloud feuerte im Juli 173 Mitarbeiter, aus Geldnot. Aus Angst, dieses einzigartige Musikarchiv könnte für immer verlorengehen, sicherten die Cracks vom Internet Archive einen beträchtlichen Teil der Daten. Deren Server stehen natürlich nicht in Berlin, sondern in San Francisco.

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