Konzerte & Party

Kluger Kopf: Ghostpoet im Lido

GhostpoetObaro Ejimiwe sitzt in einem Hotel am Alexanderplatz, um über sein zweites Album „Some Say I So I Say Light“ zu reden. Er will jetzt auch bei uns mehr erreichen. In seiner britischen Heimat hat sich Ejimiwe unter seinem Künstlernamen Ghostpoet bereits durchgesetzt. Einmal wegen der Stimme, die an Roots Manuva erinnert. Zum anderen wegen des stimmigen Zusammenspiels von langsamen Rhythmen, schläfrigem Vortrag und düsterer Stimmung. „Meine Demo-Aufnahmen hören sich noch düsterer an als das, was man auf Platte hört. Ich könnte es im Ursprungszustand belassen. Aber ich sehe schon ein, dass zu kompromisslose Musik dem Hörer die Luft nimmt.“ Seinen Stil hat er sich nebenbei im stillen Kämmerlein angeeignet, als er in Coventry studierte oder zu Hause in London als Portier, in Callcentern oder bei Versicherungen beschäftigt war. Die tägliche Arbeitsumgebung habe ihm geholfen, auf gute Gedanken zu kommen: „Ich kann mir ein Leben nur im Studio und vor dem Computer nicht vorstellen. Interaktion mit Menschen ist für mich wichtig. Mir reicht dafür schon die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel. Ansagen auf dem Bahnhof, Gespräche und Drängeln im Berufsverkehr, das alles löst bei mir etwas aus.“ Was er daraus macht, gefällt zum Beispiel Gilles Peterson. Auf dessen Brownswood-Label sind die ersten Ghostpoet-Platten erschienen. Ein Fan ist auch Mike Skinner von The Streets. Er hat dem unerfahrenen Kollegen für ein paar Stunden sein eigenes Studio überlassen. Er wird aber noch anderen renommierten Leuten begegnen, keine Frage. Seiner klugen Art, an die Dinge heranzugehen, kann man sich nur schwer entziehen.  

Text: Thomas Weiland

Foto: Sophia Spring

Ghostpoet, Lido, Mi 8.5., 21 Uhr, VVK: 17 Euro zzgl. Gebühr

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