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Knaack: Wir machen weiter!

Der Knaack ClubDie gute Nachricht für alle Clubgänger vorweg: Der Knaack Club bleibt erst einmal geöffnet. Auf einer Pressekonferenz am Donnerstag (24.6.) zeigte sich Matthias Harnoß müde von der Auseinandersetzung mit den Anwohnern, aber auch kämpferisch. „Wir haben hier einen neuen Fußboden einbauen lassen, der den Leuten trotz des Runterfahrens der Lautstärke auf 84dB ein ordentliches Bassgefühl in der Magengegend gibt.“
Dennoch sei die Lage für den seit 1952 in der Greifswalder Straße ansässigen Club inzwischen bedrohlich. „Das ist ein schleichender Prozess. Seit Beginn der Auflagen haben wir bereits über 50 Prozent an Umsatz eingebußt. Das liegt auch daran, dass wir bereits zwei Bereiche geschlossen haben, damit wir wenigstens auf einem Floor halbwegs Lärm machen können“, so Harnoß.

Vor zwei Wochen hatte das Bezirksamt Pankow nach einem Urteil des Oberverwaltungsgerichts Berlin-Brandenburg dem Club in Prenzlauer Berg schwere Auflagen zum Lärmschutz erteilt. Die nächtlichen Lärmbelästigungen gefährden die Gesundheit der Nachbarn und könnten nicht weiter hingenommen werden, so das Gericht in seiner Begründung. Der Streit zwischen dem Club und den Anwohnern war aufgekommen, als Büroräume in der Nachbarschaft von einem Bauherrn in Eigentumswohnungen umgebaut worden waren. Die neuen Anwohner beschweren sich seitdem über den Lärm, der vom Knaack ausgeht.
Die Betreiber des Clubs sehen die Verantwortung jedoch beim Bauherrn des Nachbarhauses. Harnoß dazu: „Natürlich ist es da drüben in den neuen Wohnungen laut. Aber was können wir dafür, wenn schlecht gebaut wird und der Bauherr keinen Wert auf Lärmschutz legt.“

Genau da drin sieht auch die Clubcommission Berlin das Problem. Susann Treubrot merkte auf der Pressekonferenz an: „Das Lärmproblem zieht sich doch wie ein roter Faden durch die letzten Jahre. Angefangen bei der Kulturbrauerei über das SO36 bis hin zum Knaack.“ Es könne doch nicht sein, dass alteingesessene Clubs plötzlich in Frage gestellt werden, nur weil im Kiez neue Nachbarn einziehen. Die Clubcommission will daher als Vermittler zwischen den Clubs und den Anwohnern fungieren. „Was hier oft nicht gesehen wird: Es geht doch gar nicht allein um die Clubbetreiber und die Anwohner. Wenn ein Club schließen muss, leidet doch das gesamte Umfeld, angefangen beim Döner-Mann um die Ecke.“, sagte Treubrot weiter.
Man müsse daher mit dem Problem an die Öffentlichkeit und habe hier auch die volle Unterstützung der Berlin Tourismus Marketing (BTM), die Berlin als Clubhauptstadt Europas vermarktet und damit viele zahlungskräftige Touristen in die Hauptstadt lockt. „Die Zeiten, in denen die Clubszene eine Schattenwirtschaft war, sind doch längst vorbei“, verdeutlicht Treubrot die Wichtigkeit der Club- und Kulturszene für Berlin.

Ein Umzug an eine neue Location kommt für den Knaack Club zunächst einmal nicht in Frage. Zwar bestätigte Matthias Harnoß, dass man sich durchaus nach neuen Möglichkeiten in Friedrichshain und Kreuzberg umsähe, doch sei eine geeignete Location natürlich nicht im Handumdrehen zu finden. „Außerdem ist so ein Umzug auch immer eine finanzielle Frage.„, meinte Harnoß. Stumpen, Ex-Musiker bei Knorkator und langjähriger Stammgast im Knaack, sieht in einem Umzug auch nicht der Weisheit letzter Schluss. „Die Staatsoper kann auch nicht einfach umziehen, nur weil ihr das Umfeld nicht mehr passt. Der Knaack Club ist eine ähnliche Institution, die man nicht einfach verpflanzen kann.“

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