Konzerte & Party

The Knife in der Columbiahalle

The Knife

Metallisches Schleifen, monotone Gesangslaute, zunehmend schriller werdende Klänge – zehn Minuten lang geht das so. „Fracking Fluid Injection“ heißt das Stück, eines von vielen sperrigen Experimenten, die das neue Album von The Knife füllen und mit dem das Geschwisterpaar Karin Dreijer-Andersson und Olof Dreijer seine Hörer herausfordert. Die haben – abgesehen von dem Soloausflug Dreijer-Anderssons als Fever Ray – immerhin sieben Jahre lang auf neue Musik der stilprägenden Schweden warten müssen, deren albträumerischer Electro-Pop des Vorgänger-Albums „Silent Shout“ zur reichen Inspirationsquelle für eine ganze Riege Nachfolger wie Bat For Lashes, Grimes, Zola Jesus oder Purity Ring werden sollte.
Das neue, von intensiver Lektüre queerfeministischer Literatur geprägte Album „Shaking The Habitual“ hat nur noch wenig gemein mit dem vorigen, noch im Dance-Fach verwurzelten Klang. Im Gegenteil erinnern die harschen von Drones, Industrial-Sound und Stammesrhythmen geprägten neuen Töne nicht an digitale Ästhetik, sondern an natürliche, sonderbar archaische Klangquellen. Hierfür sammelte das Duo ein Jahr lang drollige bis obskure Tonerzeuger und verfremdete deren Klänge im Synthesizer: Flöten, Zither, Matratzenfedern, bearbeitet mit dem Geigenbogen. Rhythmus dominiert auf der Platte, Schönheiten wie Dreijer-Anderssons kristallklaren Sopran enthalten The Knife streng vor. Nach Harmonie stand den agitatorischen Geschwistern nicht der Sinn: In den Songtexten und einem vorausgeschickten Manifest prangern sie die sozialen Extreme an, die der neue Kapitalismus angenommen hat, zugleich beziehen sie die fragwürdigen herrschenden Normen des Westens auf Gender-Politik und hissen die Fahne für Vielfalt. Nur schlüssig also, wenn der Soundtrack zur Rebellion streckenweise auch wehtut.

Text: Ulrike Rechel

The Knife, Columbiahalle, Sa 11.5., 21 Uhr (ausverkauft)

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