Konzerte & Party

Konono No.1 im Berghain

Konono No.1

Das Leben hatte fast achtzig Jahre Zeit, um seine Geschichten in Papa Mingiedi Mawadus Gesicht niederzuschreiben. Etwas Misstrauisches liegt in seinem Ausdruck, fast so, als wolle er fragen: „Warum interessiert ihr euch erst jetzt für uns?“ Immerhin macht der Gründer der kongolesischen Band Konono No 1 schon seit beinahe 60 Jahren jene Musik, die gleichsam antiquiert, aber auch futuristisch anmutet. Wie die gesamte 16-köpfige Formation ist Mingiedi auch ein Angehöriger des west-kongolesischen Bazombo-Stammes. Das Musizieren mit der Likembe, eine Art des Daumenklaviers, hat er von seinem Vater gelernt und dessen uraltes Konzept der Musik mit seiner Ankunft in der Metropole Kinshasa revolutioniert. Kürbisse als Resonanzkörper und Elefantenstoßzähne als Trompeten waren einfach nicht Großstadt-tauglich und so begann Mingiedi mit alten Autoteilen und den Hinterlassenschaften der belgischen Kolonialisten herumzuexperimentieren. Am Ende stand die Band Konono No 1 mit drei Likembe-Spielern, drei Sängern, zahlreichen Drummern und sogar Tänzern. Während sich die Musik in Kinshasas Clubs mittlerweile nach westlichem Vorbild entwickelt hat, sind Konono No 1 den musikalischen Formeln der kongolesischen Stammesmusik treu geblieben. Knapp zehn Minuten dauern die meisten ihrer Stücke und brechen wie ein Platzregen aus verworrenen Drums und elektrisch verzerrten Likembe-Melodien über den Zuhörer herein. Immer wieder wird im Zusammenhang mit Konono No 1s Musik über Parallelen zur Grundidee von Techno gesprochen, weshalb die Band hierzulande ein ganz anderes Publikum begeistert als im Kongo. Dort nämlich werden Konono No 1 hauptsächlich für Begräbnisse und Hochzeiten gebucht.

Text: Lucas Negroni

Konono No. 1 + Aftershow Party, Berghain – Panorama Bar, Fr 25.2., 20 Uhr, VVK: 20 Euro

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