Avantgarde

Kontraklang im Heimathafen Neukölln

Klangkünstler als Komponisten: Christina Kubisch, Serge Baghdassarians & Boris Baltschun untersuchen die grenzen von Musik und Klang im Heimathafen Neukölln

Die Schlagzeugerin Katharina Ernst. Foto: Michael Breyer

Wann wird Klang zu Musik? Und wo verläuft die Grenze zwischen Klangkunst und Musik? Gibt es so eine Grenze überhaupt und wenn ja, wie lässt sie sich definieren? Im Fall der Klangkünstlerin Christina Kubisch und der Schlagzeugerin Katharina Ernst liegen die unterschiedlichen künstlerischen Berufungen auf der Hand. Beide lernten sich 2017 auf einem Festival in Vancouver kennen und waren jeweils fasziniert von der Arbeit der anderen. Im Rahmen von Kontraklang realisieren sie nun erstmals ein gemeinsames Projekt. Die Klangkünstlerin Christina Kubisch betätigt sich hier als Komponistin. Ihre Arbeit Undercurrents für Schlagzeug und elektromagnetische Felder befasst sich mit dem Zusammentreffen von instrumentalen und elektrischen Klängen. Oft kann man die unterschiedlichen Klangquellen in ihrer Komposition nicht voneinander unterscheiden. Die elektromagnetischen Aufnahmen stammen von Lichtquellen, server rooms, Transformatoren und verschiedenen anderen Stromquellen. Das unhörbare wird hier hörbar gemacht.

Undercurrents kontrastiert mit dem Werk Emergency Solos aus dem Jahr 1974. Dieses frühe Stück von Kubisch für Flöte und Objekte wird gespielt von der italienischen Flötistin Alessandra Rombolà.

Ebenfalls an der Schnittstelle von komponierter Musik und Klangkunst arbeiten Boris Baltschun und Serge Baghdassarians. Ihr Stück auspacken / unboxing, ursprünglich für die Neuen Vocalsolisten Stuttgart geschrieben, wird im Rahmen von Kontraklang von dem Vokalensemble Die Maulwerker aufgeführt. Das Werk für 4 Sprecher, verschiedene Aufnahme- und Wiedergabemedien und rotierendes Publikum bricht die frontale Konzertsituation vollständig auf. Vier PerformerInnen markieren die Ecken eines Containers, die ZuschauerInnen füllen dessen Fläche und beschreiben ihn durch eine sich in vier Schritten zu vollziehende Drehung um sich selbst. In einer Einführung und vier „Geständnissen“ werden unterschiedliche Behälter vorgestellt und dabei Sprecher und Sprache, Text und Geräusch, Stimme und Subjektivität immer wieder anders zueinander ins Verhältnis gesetzt.

KONTRAKLANG 15. November 2018, Heimathafen Neukölln, 20:00 Uhr

Programm

Christina Kubisch: Undercurrents (2018, UA) für Schlagzeug und elektromagnetische Felder

Katharina Ernst – Schlagzeug

Christina Kubisch: Emergency Solos (1974) für Flöte und Objekte

Alessandra Rombolà – Flöte

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Serge Baghdassarians & Boris Baltschun: auspacken / unboxing (2016)
für 4 Sprecher, verschiedene Aufnahme- und Wiedergabemedien und rotierendes Publikum

Maulwerker: Ariane Jessulat, Henrik Kairies, Christian Kesten, Steffi Weismann – Sprecher

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