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AC/DC im Berliner Olympiastadion: Ein Konzert wie eine Million Bier

Text: Lennart Koch
Veröffentlicht am: 01.07.2025
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„Let There Be Rock“: AC/DC verwandeln das Berliner Olympiastadion in einen Hexenkessel – es gibt Teufelsgabeln, Kanonen und zeitlose Energie. An die Rockerrente glaubt an diesem wilden Abend niemand.

Angus Young, der Gitarrengott von AC/DC, ist noch lange nicht müde. Beim Konzert im Olympiastadion zündet der 70-Jährige ein Feuerwerk. Foto: Imago/Martin Müller
Angus Young, der Gitarrengott von AC/DC, ist noch lange nicht müde. Beim Konzert im Berliner Olympiastadion zündet der 70-Jährige ein Feuerwerk. Foto: Imago/Martin Müller

Es gibt Konzerte, bei denen man eine Million Bier trinken will. Bei AC/DC müssten es eigentlich noch mehr sein. Die Höllenglocke läutet, Prost, der grauhaarige Rocker in der zweiten Reihe streckt die Teufelsgabel in den Himmel, Prost, das erste Gitarrensolo, das schönste Feedback, die Schuluniform, die Schiebermütze, „High Voltage“, „T.N.T“, „Highway To Hell“, „For Those About to Rock (We Salute You)“, die Kanonen schießen in die Luft, Prost, Prost, Prost!

An diesem warmen Abend ist alles möglich. Im Olympiastadion, wo Hertha seit Jahren in der zweiten Liga feststeckt, spielen sich Angus Young, Brian Johnson und Co. mal wieder in die Erstklassigkeit. Auf den Rängen sieht man an diesem Abend kein Blau-Weiß. Im Hexenkessel trägt man Schwarz. Die einzige andere Farbe, die auf T-Shirts, Kutten, Kappen und Bierbäuche erlaubt zu sein scheint, ist Rot. Natürlich. Der Bandname, die Prophezeiung, das Versprechen, dass hier noch richtig dreckig gerockt wird.

AC/DC im Olympiastadion: Rockerrente, nein Danke!

Auf der Bühne steht eine Armee aus Marshall-Verstärkern, immerhin müssen 66.000 Fans beschallt werden, Backstage warten diverse Gibson SGs darauf, von dem ältesten Schuljungen im Musikgeschäft bearbeitet zu werden. Seine Finger sind noch lange nicht müde – mit jedem Hemdknopf, der sich im Laufe des gut zwei Stunden langen Konzerts öffnet, lädt er sich weiter auf. Wie eine Batterie. Wechselstrom, Gleichstrom, Hochspannung, bei AC/DC geht es um Elektrizität, Energie, Donner und Blitze. Auf den Leinwänden strömen immer wieder Funken aus den Musikern, dann lodert das Feuer. Und Angus Young, der seit mehr als 50 Jahren an den Saiten zerrt und unzählige Riffs für die Ewigkeit geschrieben hat, bleibt ein Teufel an der Gitarre. Er ist der Star, das weiß auch der überaus sympathische Sänger Brian Johnson, der immer wieder einen Daumen hoch gibt, Prost, dem Publikum zuzwinkert, Prost, und seinen alten Kumpel so verliebt anguckt, als hätte er gerade zum ersten Mal das Solo von „Back in Black“ gehört. An diesem Abend werden neue Jünger gefunden. Wie viele Menschen der inzwischen 70-Jährige in seinem Leben zum Shredden gebracht hat, wissen nur die Rockgötter.

Direkt vor der Bühne steht ein Mann mit freiem Oberkörper und aufblasbarer E-Gitarre. Ein Star für einen Tag. Überwältigte Kinder auf den Schultern ihrer stolzen Väter, Cowboystiefel, Jeanswesten, ledrige Ehepaare, die sich damals auf Wacken kennengelernt haben. Gelegentlich muss jemand abtransportiert werden. Sonnenstich, zu hart vorgeglüht in der Metal-Kneipe? Passiert. Einmal wieder jung und wild sein. „Livin‘ easy, Lovin‘ free“, der wilde Ritt auf dem „Highway to Hell“ ist noch lange nicht vorbei, auch wenn selbst das schönste Konzert irgendwann enden muss. Mit einem Feuerwerk und einem 16-minütigen Gitarrensolo. Das ergraute, aber immer noch nicht zu stoppende Idol fährt mit einer Hebebühne in den Himmel empor. Konfetti, Jubelschreie, Bewunderung. Endlich lässt er sich fallen, dreht sich über den Boden. Fast wie früher.

Eine große Rockband verneigt sich

Schnell noch ein letztes Bier für „T.N.T.“, Zugabe, ein riesiges Prost mal wieder, auf den Rängen, im Golden Circle und in der VIP-Lounge. Dann rollen die Kanonen vor – peng, peng, peng. Rauchschwaden über dem Olympiastadion. Die Band salutiert den Fans – und die Fans salutieren zurück. „We will be back“, verspricht Brian Johnson. Man will ihm glauben. Und bestellt dann doch noch ein Bier für den Heimweg. „Let There Be Rock“, es kann so einfach sein.


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