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Agatha is Dead!: Neuer Post-Punk aus Berlin

Text: Matthis Borda
Veröffentlicht am: 27.08.2025
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Kürzlich rockten die irischen Superstars Fontaines D.C. – eine der bekanntesten Post-Punk-Bands der Gegenwart – die Zitadelle Spandau. Das Genre hat in Berlin längst auch wieder ein eigenes, lautes Zuhause. Eine der spannendsten Stimmen der Szene ist die junge Band Agatha is Dead!, die mit Energie und Gefühl aufhorchen lässt. Warum man sie im Blick behalten sollte.

Agatha is Dead! in ihrem Proberaum. V. l. n. r. Joey Ramone Hansen, Lilly Bartholomew-Günther, Noah Oisin O’Donoghue, Arthur Melzow. Foto: Marvin Machler

Auf dem Gartentisch liegen Kippen, daneben stehen Bier- und Mateflaschen – studentisches Grundinventar. Auch die Outfits von Lilly, Arthur, Noah und Joey passen ins Bild: Schwarz dominiert. Agatha is Dead! präsentieren sich, wie sie klingen: düster, punkig, atmosphärisch. Doch die Sonne scheint, der Innenhof in Westend ist überwuchert, geradezu idyllisch. Studio-Kater Otello springt auf Lillys Schoß und fordert Aufmerksamkeit. Angst vor der „toten Agatha“ muss hier niemand haben. Was der Name bedeutet, bleibt allerdings ein Geheimnis. „Wenn ihr das wissen wollt, müsst ihr schon zu unserer Show kommen“, grinst Drummer Joey.

Am 5. September startet die Deutschlandtour im Kreuzberger Privatclub. Das Konzert ist bereits ausverkauft – ein Hinweis darauf, dass die aufstrebende Band einiges zu bieten hat. Einen Monat später, am 10. Oktober, erscheint ihre neue EP „Order“ bei Duchess Box Records. Sängerin Lilly beschreibt das Hörerlebnis folgendermaßen: „Stell dir vor, du stehst vor einem Club, drinnen läuft laute Musik, und du weißt nicht, ob du reingehen sollst. Dann kommt plötzlich von der Seite eine Energie, packt dich an der Hand, reißt dich hinein – und plötzlich tanzt du.“

Der erste Track „No Love To Prove“ ist bereits veröffentlich worden und hält dieses Versprechen. Ihr treibender Sound erinnert an Fontaines D.C. geht auch gerne darüber hinaus bis in den Grunge hinein. In anderen reduzierteren Songs fangen sie den Geist von Joy Division ein. Gepart mit Lillys bassiger Stimme entsteht ein individueller Sound, der trotz emotionaler Tiefe nie seine Tanzbarkeit verliert.

Agatha is Dead! spielt von Anfang an live

Lilly und Gitarrist Noah machen seit acht Jahren gemeinsam Musik – erst in der Schulband, dann zu zweit während Corona. Joey und Arthur stießen nach dem klassischen Muster dazu: alte Bands lösen sich auf, über Freund:innen oder die Uni findet man sich neu. Seit 2022 spielen die vier zusammen und von Anfang an auch live. Arthur hatte nur drei Wochen Zeit, sich einzufinden, bevor das Bühnendebüt im Schöneberger Jugendkulturzentrum „Die Weiße Rose“ anstand. Noch im selben Jahr folgten die erste EP „Interlude“ und ihr bisher bekanntester Song „Begs Me To Dance“ mit über 900.000 Spotify-Streams.

Heute füllt die Band Berliner Clubs und überzeugte auch beim „Rocken am Brocken“-Festival. Für Lilly bleibt das surreal: „Es ist jedes Mal so ein krasses Gefühl. Plötzlich grölen Leute Songtexte mit, die ich nachts um vier in kompletter Herzschmerz-Verzweiflung an der Bushaltestelle geschrieben habe. Dass die dann von Fremden mitgesungen werden – das geht manchmal nicht in meinen Kopf.“

Gitarrist Noah beim Liveauftritt von Agatha is Dead! im Friedrichshainer Badehaus. Foto: Marvin Machler

Aus Gefühl wird Musik

An den Songs arbeiten sie gemeinsam, im Proberaum wird improvisiert, Emotionen treiben den Prozess an: „Ich saß hier unten heulend und weiß gar nicht mehr, wie wir den Song angefangen haben. Gitarrenriff, Bass oder Drums – keine Ahnung. Der Song war irgendwie schon da, wir mussten ihn nur freilegen“, erzählt Lilly. Die Spontaneität birgt aber auch Konflikte: Statt an der Setliste zu feilen, lassen sich die vier oft von neuen Ideen hinreißen. „Das kannst du doch nicht machen, das ist viel zu geil“, ruft Lilly dann – und steigt doch ein. Aus dem spontanen Jam wird ein Song. Aus Gefühl wird Musik. Genau diese unbändige Energie macht den Reiz von Agatha is Dead! aus. Das Berlin-Konzert mag ausverkauft sein, aber wer sich von der Band mitreißen lassen will, kann vielleicht noch Restkarten an der Abendkasse ergattern. Und selbst ohne Live-Erlebnis ist es eine Freude, dass wieder frischer, kompromissloser Post-Punk aus Berlin kommt – von einer Band, die gerade erst am Anfang steht.


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