Konzerte

Anthony B

Anthony B

Dass Pharrell Williams und Robin Thicke für das Abkupfern bei ihrem Superhit „Blurred Lines“ nun von einem US-Gericht zu einer saftigen Geldstrafe verurteilt wurden, muss auf jamaikanische Musiker bizarr wirken. In der Recycling-Maschine Reggae gehört das Wiederverwerten von eingängigen Textzeilen und knackigen Rhythmen schließlich zum guten Ton. So basiert „Dem Gone“ aus Gentlemans Frühwerk „Journey to Jah“ auf dem gleichen Riddim wie Sizzlas Erfolgstune „Woman I need you“. Anthony B wiederum bediente sich bei seinem jüngst verbreiteten Pamphlet „How Do You Sleep“ großzügig an den Lyrics von Pinks „Mr. President“. Mit diesem Vorwissen wundert es auch nicht, dass der religiöse Rasta seit 1996 satte 17 Alben produziert hat. Heute zählt der umtriebige Sänger neben Damian Marley, Capleton und Buju Banton zu den Stimmführern des Conscious Reggae, der in den späten 90ern als Gegenbewegung zum verkommenen Dancehall erblühte. Dem Veteranen gegenüber stehen mit Protoje und Jesse Royale an diesem Abend die Aufsteiger des New Reggae Movements. Vor allem Ersterer verblüfft mit seinem frischen Sound, der nicht bloß auf den Einsatz von Synthesizern setzt. Dass Protoje dennoch das Erbe seiner Vorgänger achtet, zeigt er auf seinem gerade veröffentlichten Album „Ancient Future“, das auch Ska- und Rocksteady-Adaptionen enthält.   

Text: Maximilian Müller

Foto: Niculai Constantinescu

Astra Kulturhaus  Revaler Straße 99, Friedrichshain, Fr 3.4., 21 Uhr, VVK: 28 Euro zzgl. Gebühr

Mehr über Cookies erfahren