Konzertbericht

Bill Murray, Jan Vogler & Friends präsentierten „New Worlds“ im Schloss Neuhardenberg

Der Hollywood-Star und der Star-Cellist: Bill Murray und Jan Vogeler führten durch einen denkwürdigen Abend auf der Open-Air-Bühne im Schloss Neuhardenberg. Es wurde gesungen, gelesen, musiziert. Im Fokus stand die Verbindung von Musik und Text, von der alten Welt und den USA, von Humor und Ernsthaftigkeit. Das Quartett, neben Murray und Vogeler ergänzt um die Geigerin Mira Wang und die Pianistin Vanessa Perez, hatte sichtlich Spaß an dem Projekt „New Worlds“. Am Ende regnete es Rosen, es gab Standing Ovations, und man fuhr inspiriert und mit der Einsicht davon, etwas sehr Seltenes erlebt zu haben.

Bill Murray, Jan Vogler & Friends "New Worlds" – v.l.n.r.: Bill Murray – Gesang, Rezitation; Mira Wang – Violine; Vanessa Perez – Klavier; Jan Vogler – Cello. Foto: Robert Niemeyer
Bill Murray, Jan Vogler & Friends „New Worlds“ – v.l.n.r.: Bill Murray – Gesang, Rezitation; Mira Wang – Violine; Vanessa Perez – Klavier; Jan Vogler – Cello. Foto: Robert Niemeyer

Der Cellist Jan Vogler brachte Bill Murray in die brandenburgische Provinz

Der Cellist Jan Vogler brachte Bill Murray in die brandenburgische Provinz. Vogler selbst arbeitet eng mit dem Schloss Neuhardenberg zusammen, spielt dort und gibt auch Masterclasses. Als Vogler auf einem Langstreckenflug von Bill Murray angesprochen wurde, wie er denn seinen sperrigen Cello-Koffer im Gepäckfach zu verstauen gedenke, war Murray amüsiert von Voglers Antwort. Das Cello habe selbstredend ein eigenes Ticket, es fliege erster Klasse und habe sogar einen Fensterplatz. Aus dieser Anekdote entwickelte sich eine kreative Freundschaft, die in dem Projekt „New Worlds“ mündete. Vogler holte mit der Geigerin Mira Wang und der Pianistin Vanessa Perez zwei renommierte Kolleginnen hinzu. Gemeinsam erarbeitete das Quartett ein temporeiches Programm zwischen Texten und Musik.

Den Auftakt am lauwarmen Dienstagabend beim ausverkauften Auftritt im Schloss Neuhardenberg bestritt Murray. Sein Ruhm ließ die Atmosphäre knistern, seine Filme prägten Generationen. Es gibt wenige Schauspieler, deren Werk so abwechslungsreich ist und die zugleich so vergöttert werden wie der 1950 in Chicago geborene Comedian und Schauspieler. Doch wer Murray aus „Ghostbusters“, „Und täglich grüßt das Murmeltier“ oder selbst aus Sofia Coppolas „Lost in Translation“ kennt, könnte dennoch etwas überrascht gewesen sein von Murrays literarischen Ambitionen. Los ging es mit Ernest Hemingways Fragment „Did You Ever Play A Musical Instrument?“. Später las Murray noch Lyrik von Walt Whitman und Zbigniew Herbert, er rezitierte Billy Collins und sang Songs von Van Morrison und den Evergreen „Moon River“.

Bill Murray beim Auftritt im Schloss Neuhardenberg, 8. Juli 2025. Foto: Robert Niemeyer
Bill Murray beim Auftritt im Schloss Neuhardenberg, 8. Juli 2025. Foto: Robert Niemeyer

Das Trio wechselte zwischen rein instrumentalen Interpretationen von Kompositionen von Bach, Ravel und immer wieder auch Astor Piazzolla oder verwandelte sich geschmeidig in Murrays Begleitband – etwa wenn sie George Gershwins „It Ain’t Necessarily So“ aus „Porgy and Bess“ aufführten. Dazu schmetterte Murray – wie so viele Hollywoodstars ein begnadeter Sänger – die Worte, und das gesamte Publikum stimmte, erst zögerlich, dann nach Murrays engagiertem Auftreten, aus vollem Halse mit ein.

Wohl ist Bill Murray einer der größten Stars im Showgeschäft – ein streitbarer Geist, der es sich mit vielen Kollegen und Kolleginnen verscherzt hat, der der Legende nach keinen Manager oder Agenten hat, sondern seine Engagements über ein Festnetztelefon mit Anrufbeantworter regelt: Man muss anrufen und draufsprechen – wenn Murray das Projekt gefällt, dann ruft er, vielleicht, zurück. Diesen Mann im geradezu intimen Ambiente des gut 50 Kilometer von Berlin entfernten Schlosses Neuhardenberg zu erleben, glich einem kleinen Glück.

Bill Murray trumpfte auf, sang, las, plauderte

Vogler, Wang und Perez spielten voller Lust und Virtuosität, beflügelt von der Stimmung und der Energie des Projekts, über das sich getrost sagen lässt, auf der Bühne entstand mehr als die Summe der einzelnen Teile. Und Bill Murray? Der alte Haudegen, der schon in den 1970ern für Furore bei „Saturday Night Live“ sorgte, trumpfte auf, sang, las, plauderte, blieb aber ganz der Gentleman und Star ohne Allüren. Er hielt sich bei den Instrumentalstücken bescheiden im Hintergrund, hob den im Eifer des Klavierspiels von der Pianistin Vanessa Perez umgeworfenen Klavierhocker wieder auf, verschenkte zum Finale mehrere Dutzend Rosen an das Publikum und sorgte für derart gute Stimmung, dass nach gut zwei Stunden, als das offizielle Programm längst beendet war, eigentlich niemand gehen wollte – weder die begeisterten Zuschauer, die sich wieder zu Standing Ovations hinreißen ließen, noch die vier Akteure selbst.

Perez hatte Tränen in den Augen, Vogler wirkte vergnügt und sicherlich auch ziemlich stolz – man beneidete ihn einfach um diese Künstlerfreundschaft. Und Murray selbst verkündete, er habe eh nichts mehr vor an diesem Abend. Also sang er noch einmal und noch einmal – und war in diesem Moment vielleicht der beste Botschafter seines zurzeit so geschundenen Heimatlandes.


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