Konzerte

Konzert von Bryan Ferry fällt aus!

Bryan Ferry spielt im Tempodrom

Er besitzt nun sogar schon einen Verdienstorden. Die Queen persönlich hat ihn vor drei Jahren im Rahmen ihres traditionellen Geburtstagsrituals zum „Commander of the Most Excellent Order of the British Empire“ (CBE) ernannt. Ehre, wem Ehre gebührt, kann man da nur sagen. Bryan Ferry gehört auf der Insel seit über vierzig Jahren zu den Hauptantreibern der Rockmusik. Er hat sie in den Siebzigern als Sänger von Roxy Music vorangebracht und ist als Solist stets im Gespräch geblieben. Als Person hebt er sich von allen Kollegen ab. Er achtet sehr auf die Garderobe und muss sich nicht groß umziehen, wenn eine Begegnung mit Ihrer Majestät ansteht. Ferrys Flüsterstimme entspricht nicht den Gewohnheiten im Rock’n’Roll, ist aber so markant, dass dieser Mann nicht unbedingt eigene Songs vortragen muss, um zu wirken.  
1973, nur ein Jahr nach Erscheinen des Album-Debüts von Roxy Music, hat er schon sein erstes Werk unter eigenem Namen vorgelegt. Auf „These Foolish Things“ war von unbedingtem Erneuerungsdrang wenig zu spüren. Ferry betätigte sich als Interpret von Kompositionen der Beatles, Rolling Stones, Beach Boys oder Smokey Robinson und baute Einflüsse aus dem Rockabilly oder Soul mit ein. In eine ähnliche Richtung ging er später mit „Let’s Stick Together“, seiner mit ordentlich rumpelndem Rhythmus versetzten Version des Blues-Klassikers von Wilbert Harrison. Weniger Glück hatte der Sänger 1978 mit „The Bride Stripped Bare“. Der Versuch, seine Karriere mit Einflüssen aus Punk und New Wave auf den neuesten Stand zu bringen, schlug fehl.
Ganz anders sah es mit „Boys And Girls“ sieben Jahre später aus. Ferry spielte seine Paraderolle des in Anzug und Krawatte gewandeten Dandys, der mit einem eleganten Gemisch aus Pop, Soul und Jazz verführt. Unvergessen aus dieser Zeit sind die Ballade „Slave To Love“ und das von einem geschmeidigen Groove getragene Juwel „Don’t Stop The Dance“. In den folgenden 25 Jahren kam er jedoch nicht mehr an diese Höhepunkte heran. Flirts mit Jazz, Cabaret-Pop und Musical-Melodien und ein Album, das ausschließlich mit Songs von Bob Dylan bestückt war, irritierten doch sehr. Erst vor vier Jahren kehrte der Gentleman mit „Olympia“ in sein angestammtes Areal zurück und machte mit Model Kate Moss auf dem Cover und an der Seite der langjährigen Gefährten Nile Rodgers an der Gitarre, Marcus Miller am Bass, Andy Newmark am Schlagzeug und Brian Eno an den Synthesizern wieder einen würdigen Eindruck.
Jetzt geht Ferry nicht nur mit bewährt-beliebtem Material aus der Vergangenheit auf Tour. Der 69-Jährige wird mit seiner Band auch sein neues Album „Avonmore“ vorstellen, das wenige Tage vor dem Auftritt erscheint. Damit geht er zurück in die Achtziger, zum sanften Funk auf „Boys And Girls“ und auch zur Verträumtheit auf „Avalon“. Beides ist ihm wichtiger als der Griff in die Mottenkiste. Die zwei Fremdkompositionen, der Jazz-Klassiker „Send In The Clowns“ und Robert Palmers „Johnny & Mary“, fügen den schon bekannten Versionen oder Originalen nichts Nennenswertes hinzu.
Ein ganz anderes Kaliber ist „A Special Kind Of Guy“. Der Titel allein drückt schon präzise aus, mit wem man es hier zu tun hat. Wenn dann noch ein an Marvin Gayes „Sexual Healing“ angelehnter Beat in Gang kommt, weiß man, dass Ehrenmann Bryan Ferry immer noch ein gutes Gespür für musikalische Raffinesse hat.

Text: Thomas Weiland

Foto: www.eventphotographyinlondon.co.uk

Tempodrom Möckernstraße 10, Kreuzberg, ?Mi 26.11.,  20 Uhr, ?VVK 56 bis 80 Euro zzgl. Gebühr

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