Konzerte

David Fray gastiert mit Bach im Konzerthaus

David Fray gastiert mit Bach im Konzerthaus

David Fray? Nie gehört. Trotzdem erlebte die Klavierwelt in den letzten Jahren nur zwei Mal den raketenhaften Aufstieg eines Shootingstars. Der eine, Lang Lang, wurde zum Liebling der Massen. Der ­andere ist David Fray. Geboren 1981 in Tarbes (in den Pyrenäen), landete er mit nur einem einzigen Bach-Album dort, wo andere erst nach 20 Jahren ankommen: auf dem Olymp. Bachs Klavierkonzerte, zu den schönsten und undankbarsten Aufgaben der Klavierliteratur zählend, verwandelte Fray in Erzählungen von so brenzlig leuchtender Gesanglichkeit, dass man seiner CD (mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen) ein Prädikat nicht absprechen kann: unwiderstehlich.
Der Jüngling mit der Schmalzlocke erscheint schlurfend, müde und ungekämmt zum Gespräch. Er sei froh, für die Dogmen der historischen Aufführungs­praxis zu spät geboren zu sein, scherzt er. Er schwärmt von der belcantesken Eleganz seines deutschen Vorbilds Wilhelm Kempff. Und hält weniger von Glenn Gould, mit dem er allzu oft verglichen worden ist.
Auf seiner neuen CD spielt er Schuberts „Fantasie“-Sonate D. 894 und vierhändig mit seinem ehemaligen Lehrer Jacques Rouvier. Nach seinem Bach-Abend mit der Academy of St Martin in the Fields kehrt er am 14. Mai noch einmal nach Berlin zurück – mit einem Schubert-Programm im Kammermusiksaal. Als er einst einen Meisterkurs bei dem legendären Klaviercoach Dmitri Baschkirow belegte, riet der ihm: „Bellen Sie wie ein großer Hund!“ Das sei ein Befreiungsschlag für ihn gewesen, sagt Fray. Er ließ die Haare windhundhaft wachsen. Bewegt sich seitdem noch zielgerichtet eleganter über die Tasten. Nur bellen hat er immer noch nicht gelernt.

Text: Kai Luehrs-Kaiser

Foto: Paolo Roversi/ Virgin Classics

David Fray im Konzerthaus, Mo 2.2., 20 Uhr, Karten-Tel. 203 09 21 01

CD: David Fray „Fantasie“ (Erato)

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