Konzerte

Fleedwood Mac – und alle gingen mit

Fleetwood Mac in der O2 World in Berlin

Wie das eben so ist mit den Dinosauriern. Sie stehen in der Eingangshalle des Naturkundemuseums und werden jeden Tag aufs Neue entdeckt. Von staunenden Kindern, die zwar noch kein Verhältnis für historische Dimensionen haben, dafür aber ein untrügliches Gefühl für alles wirklich Spektakuläre.
Wie das eben so ist mit Fleetwood Mac. Es wäre ein allzu Leichtes, ihren Besuch in der Mehrzweckhalle am Ostbahnhof als eben jenen eines Dinosauriers abzutun. Ein Historienspiel mit Hitgarantie. Das 1977 veröffentlichte „Rumors“ jedenfalls ist für die Siebziger vermutlich das Album, was „Pet Sounds“ von den Beach Boys für die Sechziger ist. Großer, schlauer, intuitiver Pop, leichtfüßig balancierend auf jenem schmalen Grad zwischen Avantgarde und Alltag, Aufbruchsstimmung und Stimmungsmusik. „You Can Go Your Own Way“ eben. Und alle gingen mit.
Und doch könnte aus diesem Abend weit mehr werden als nur ein Klassentreffen in gebatikten Erinnerungen. Was eben mit den Kindern zu tun hat, die Fleetwood Mac gerade erst entdecken. Und mit ihnen die Leichtigkeit jenes kalifornischen Gefühls, das so lange als Mainstreamrock missverstanden worden ist. Die drei Schwestern von Haim beziehen sich explizit auf die Fleetwood Mac der späten Siebzigerjahre. Und die Hipster in Kreuzberg allzu offensichtlich auf den Vollbart und diese arschcoole Aura, die Mick Fleetwood auf dem Cover von „Rumors“ präsentiert. Neben ihm eine Elfe namens Stevie Nicks, It-Girl einer Popepoche.
Wenn es also gut läuft an diesem Abend, dann surft da eine alte Band auf der schäumenden Woge ihrer neuerlichen Relevanz. Und wenn nicht  – dann haben Fleetwood Mac noch immer genug Größe im Gepäck, um kein kleines bisschen zu langweilen.

Text: Clemens Niedenthal

Foto: WMG

Fleetwood Mac?, O2 World, Mi 16.10., 20 Uhr, ?ausverkauft

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