Konzerte

Interview: Komponist Ennio Morricone

Gibt es einen Westernhelden, den Sie abgesehen von Clint Eastwood bewundern?
Ich habe die Filme gesehen, die Sergio Leone mit Klaus Kinski gemacht hat. Kinski war anders, er spielte so böse und aggressiv. Das ist mir sehr im Gedächtnis geblieben, auch wenn ich seine Tochter noch mehr schätze.

Als Mensch werden Sie als ernsthaft, fokussiert und diszipliniert beschrieben. Kennen Sie das Gefühl der Unbeschwertheit überhaupt?
Ich denke, Ihre Umschreibung trifft es ganz gut. Mit dem Rest tue ich mich schwer. Eine Leichtigkeit ist mir nicht immer gegeben.
Aber Sie sollen ein großer Fußball-Fan sein! Ich spiele nicht selber Fußball, ich habe nur Spaß daran, mir die Spiele im Fernsehen anzusehen. Auch da versuche ich mich zu beherrschen. Meine Frau jubelt definitiv lauter als ich! Wenn ich allerdings zusehen muss, wie mein Lieblingsverein AS Rom dummen Fußball spielt, dann fange ich schon mal an zu fluchen. Wenn ich bei den anderen Fans im Stadion wäre, würden die Schimpfworte wohl überhandnehmen.

Auf der Bühne sind Sie jedenfalls sehr energetisch. Wie halten Sie sich dafür fit?
Ich stehe um fünf Uhr morgens auf und mache jeden Tag eine Stunde Workout in meinem Haus. Meistens jogge ich im Kreis durch die Wohnung.

Haben Sie denn gar keine Laster oder schlechten Angewohnheiten?
Doch, Schokolade! Es ist hart, sich diesbezüglich zu disziplinieren. Aber vor ein paar Jahren wog ich noch 86 Kilo. Nun bin ich auf 72 Kilo runter. Und wissen Sie, wie ich das angestellt habe? Ich habe weniger gegessen und bin durch die Wohnung gelaufen – haha!

Und nun gönnen Sie sich auf Ihre alten Tage gar nichts mehr?
Wenn man so viel Gewicht verloren hat, kann man sich auch ab und zu wieder Schokolade genehmigen. Ich tue das meistens im Geheimen. Sonst schimpft meine Frau mit mir.

Wieso haben Sie eigentlich erst im Alter von 74 Jahren damit angefangen, Ihre Kompositionen als Dirigent vor Publikum zu präsentieren?
Es hatte mich vorher einfach niemand gefragt! Und ich konnte mit dem Orchester ja schlecht auf die Straße gehen und spielen.
Genießen Sie nun den Job auf der Bühne? Anfangs bin ich bei Konzerten eher besorgt, weil ich befürchte, dass ein Musiker durch einen kleinen Fehler alles zerstört. Weil er nicht präzise spielt.

Und dann gibt es Ärger vom Maestro?
Nein, da reiße ich mich zusammen. Das Publikum merkt meist nicht, dass etwas falsch ist. Es ist fast schon eine Privatangelegenheit.

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Text: Katja Schwemmers

Foto: Andrй C. Hercher

Ennio Morricone: „50 Jahre Musik“?, O2 World, Di 11.2., 20 Uhr, ausverkauft

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