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Interview mit Hudson Mohawke

Hudson Mohawke

Der heute 29-jährige Hudson Mohawke heißt eigentlich Ross ­Birchard. Er hatte in Glasgow schon als Teenager erste DJ-Auftritte. Seit 2009 ist er beim Londoner Warp-Label unter Vertrag, für das er unter seinem Künstlernamen zwei Alben und zusammen mit dem kanadischen DJ und Produzenten Lunice eine EP als TNGHT aufgenommen hat. Darüber hinaus ist Hudson Mohawke Hausproduzent bei Kanye Wests Label GOOD Music.

tip Sie sind im Augenblick sehr erfolgreich. Besonders die Zusammenarbeit mit ihrem Kollegen Lunice unter dem Namen TNGHT hat Sie voran­gebracht. Alle warten jetzt auf Neues. Setzt Sie das unter Druck?
Hudson Mohawke?Nein, gar nicht. Wenn wir als TNGHT tatsächlich ein Album nachgelegt hätten, wäre nichts anderes mehr gegangen. Dieses Projekt ist wirklich sehr populär. Es ist aber nicht Sinn der Sache, eine Idee bis zum Ende auszumelken. Wir wollten beide wieder zu den Anfängen zurück und den Leuten klarmachen, dass wir eigentlich Solokünstler sind.

tip Ihr neues Album „Lantern“ hört sich anders an als das Debüt „Butter“. Damals erkannte man bei Ihnen ein Faible für die elektronische Musik der 80er und den HipHop alter Schule. Worauf haben Sie jetzt geachtet?
Hudson Mohawke An meinem Interesse an Keyboardsounds aus den 80ern, gerade aus dem Soul und Funk, wird sich nichts ändern. Viele Leute halten sie für kitschig, aber immerhin entstand mit ihrer Hilfe richtige Musik. Seitdem es die Pro-Tools-Software gibt, machen es sich die Produzenten sehr einfach. Sie lassen einen Beat laufen und legen dann einen beliebigen Rest darüber. Das kommt für mich nicht infrage. Ich habe die Songs dieses Mal zusammen mit den Leuten entwickelt, die mit mir im Studio waren.

tip Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie den etablierten Sänger Antony Hegarty bei sich hatten?
Hudson Mohawke Der Reiz liegt darin, dass er für einen anderen musikalischen Ansatz steht als ich. Er setzt sich ans Klavier und schreibt dann eine Melodie. Bei mir ging es immer mit Beats, Samples oder elektronischen Spielereien los, nie mit einem traditionellen Song. Im Augenblick sind wir beide etwas gelangweilt von dem, was wir bisher gemacht haben. Wir wollten rebellieren und etwas anderes ausprobieren. Und es geht noch weiter. Antonys nächstes Album wird sich auch elektronisch anhören.

tip Einen sehr eingängigen Track haben Sie im Alleingang geschrieben. „Scud Books“ hört sich wie der perfekte Kandidat für einen Filmsoundtrack an.
Hudson Mohawke Diesen Song habe ich ein Jahr lang beiseitegelegt. Andere Musiker konnten in dieser Zeit zugreifen, wenn sie ihn haben wollten. Ich ­wollte ihn dann aber doch für eigene Zwecke nutzen. Ähnlich lief es auf meinem ersten Album mit dem Song „Fuse“ ab. An ihm hatte zuerst ­Rihanna Interesse angemeldet, aber dann habe ich ihn doch nicht heraus­gegeben. Daraus wurde der am meisten beachtete Song auf dem Album. Manchmal muss man solche Entscheidungen treffen. Will ich einen Song einer anderen Person überlassen, die daraus womöglich einen riesigen Pop-Hit macht? Oder behalte ich ihn selber, weil er meiner eigenen Karriere mehr hilft?

tip Sind Sie nicht nervös, wenn Ihnen mit Rihanna ein Popstar gegen­übersteht?
Hudson Mohawke Am Anfang war das mal so. Aber dann habe ich schnell gelernt, dass diese Leute ja etwas von mir wollen.

Interview:
Thomas Weiland

Foto:
Tim Saccenti 2015

Red Bull Music Academy Stage
im Mauerpark zwischen Eberswalder und Gleimstraße, So 21.6., ab 16 Uhr, mit Robot Koch, Kindness, Earl Sweatshirt, Hudson Mohawke?+?Mark Ronson

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