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Interview mit Konstantin Gropper alias Get Well Soon

Interview mit Konstantin Gropper alias Get Well Soon
Foto: Hanna Kässbohrer

tip „Get Well Soon“ heißt „Gute Besserung“. Würden Sie das jemandem wünschen, der verliebt ist?
Konstantin Gropper In einer Beziehung muss man ja auch arbeiten, auch wenn das immer so blöd klingt. So gesehen muss man schauen, dass die Beziehung gesund bleibt oder wieder wird.

tip Die Songs auf dem neuen Album „Love“ heißen „It’s a Catalogue“, „It’s a Mess“, „It’s a Fog“, „It’s an Airlift“. Lässt sich denn nicht auf den Punkt bringen, was Liebe ist?
Konstantin Gropper Diese Songs versuchen ein Bild dafür zu finden. Aber die Conclusio des Albums ist eher, dass man es nicht sagen kann. Oder dass dann so was rauskommt wie bei „It’s a Fog“: ein Nebel. Das Album repräsentiert meinen Standpunkt im Moment.  Da es um die Liebe geht, gibt es aber bestimmt auch Rückgriffe auf etwas, was einem vorher passiert ist. Die erste Liebe etwa. Wenn ich in 20 Jahren nochmal ein Album zur Liebe mache, kommt etwas anderes dabei raus. Hoffe ich.

tip „Young Count falls for Nurse“ fällt stilistisch ein bisschen heraus. Eine Disco-Hymne.
Konstantin Gropper Noch ist es keine Hymne, aber vielleicht wird es eine. (lacht) Der Text besteht ausschließlich aus Titeln von Rosamunde-Pilcher-Filmen. Ich habe sie ins Englische übersetzt und aneinandergereiht. Es gibt ja um die hundert. Ich habe mir die besten rausgesucht.

tip Wie viele haben Sie davon gesehen?
Konstantin Gropper Nicht mal einen komplett, ehrlich gesagt. Wobei: So schlimm ist es auch wieder nicht. Bei Songs wie „It’s Love“ geht es mir darum, dass jeder den Begriff so definieren kann, wie er möchte. Landläufig ist er etwas zu positiv besetzt. Liebe richtet auch ganz schön viel Unheil an. Aber ich bin auch eher so… ein kritischer Typ.

tip Im Video zu „It’s Love“ bekocht Udo Kier eine Frau chic, die er im Keller gefangenhält.
Konstantin Gropper Ich glaube, deshalb halten viele das ganze Album für abgründig. So ist es aber nicht. Es ist zumindest ambivalent.

tip Der Song „33“ beschäftigt sich auch mit dem italienischen Renaissance-Dichter Petrarca, der seine Sonette für eine Frau schrieb, die es wohl nie gab.
Konstantin Gropper Das ist auch eine sehr interessante Form – oder? Das ist aber auch so eine Sache, wenn man Songs für konkrete Frauen schreibt. Ich würde behaupten, 80 Prozent der Liebeslieder gehen nicht an eine konkrete Frau, sondern sind abstrakter gedacht. Trotzdem finde ich es auch ein bisschen traurig, dass Petrarca dieser imaginären Figur sein Leben gewidmet hat.

tip Ein Liebeslied an Ihre richtige Frau könnten Sie nicht veröffentlichen?
Konstantin Gropper Doch, hab ich auch schon. Aber meist ist mir das zu privat. Das finde ich nicht interessant genug und irgendwie auch unfair meinem Umfeld mir selbst gegenüber. Ich mag diese Tagebuch-Texte auch von anderen Leuten nicht. Ich hab immer das Gefühl, dass stimmt alles auch nicht. Ich mag den Leuten unrecht tun; aber diese vermeintlich authentischen Texte wirken auf mich viel unechter als etwas Romantisiertes.

tip Sie haben ja auch schon ganz anderen Leuten Lieder gewidmet. Roland Emmerich zum Beispiel.
Konstantin Gropper Nicht direkt ein Liebeslied, aber ja. Er hat nie darauf reagiert, obwohl ich weiß, dass er’s gehört hat. Ein Bekannter von mir hat es ihm vorgespielt.

tip Hinter Ihrem Schreibtisch hängt ein Bild von David Bowie. Blicken Sie jetzt anders darauf?
Konstantin Gropper Sein Tod hat mich schon mitgenommen – gerade nachdem das Album so vielversprechend war. Mir geht es aber eher um das Werk und um die Persönlichkeit. Selbst sein Tod war wieder spektakulär.

tip Er hat sich immer wieder neu erfunden. Wie ist das bei Ihnen? Sie haben ja, wie auch Beirut, als Ein-Mann-Band begonnen, sich inzwischen aber Leute ins Studio geholt und klingen inzwischen deutlich anders.
Konstantin Gropper Ich habe große Angst davor, mich zu wiederholen. Das fände ich die schlimmste Kritik, wenn Leute sagen: „Das klingt genau wie das letzte Album.“ Ich will mich entwickeln. Ich will nie meinen Sound gefunden haben und dann einfach nur noch Songs schreiben, die sich diesem Sound bedienen.

tip „Love“ ist jedenfalls Ihr poppigstes und zugänglichstes Album.
Konstantin Gropper Ja, das habe ich mir allerdings nicht vorher überlegt, das ist momentan mein Geschmack. Rein pragmatisch stelle ich mir aber bei jedem Album eine bestimmte Herausforderung. Wähle ein Thema und eine Technik.

tip Sie haben ja schließlich auch mal Philosophie studiert.
Konstantin Gropper Kurz mal. Ich lese nicht die ganze Zeit philosophische Bücher – aber wenn, dann finde ich das doch sehr inspirierend. Mich interessieren allerdings die Fragen des täglichen Lebens. Die muss man nicht mit hoher Literatur abhandeln. Die werden auch bei „Seinfeld“ behandelt, nicht nur bei Sartre. Aber auch wenn ich nicht Musiker geworden wäre, hätte ich das Philosophie-Studium wohl nicht abgeschlossen. Man neigt ja auch dazu, wahnsinnig zu werden, wenn man zu viel nachdenkt.

Interview: Stefan Hochgesand

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