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Isolation Berlin

Isolation Berlin

Sie nervte, diese ständig wiederkehrende Frage von Bekannten und Journalisten nach dem Stil ihrer Musik. „Genres sind doch Bullshit“, findet Sänger und Texter Tobias Bamborschke. Außerdem wolle man nirgends dazugehören. Während den Aufnahmen zum Song „Aquarium“ klagt die vierköpfige Band ihrem Produzenten ihr Leid. Dieser überlegt kurz und entgegnet dann, als sei es das Selbstverständlichste auf der Welt: „Ihr macht Berliner Schule. Protopop.“
Was sich hinter den Begriffen verbirgt, wissen Isolation Berlin selbst nicht so genau. Ersterer ist auf jeden Fall als Gegenentwurf und nicht etwa als Kopie der Hamburger Schule zu verstehen. Mit deren Vertretern wollen Bamborschke und seine Bandkollegen nämlich nichts zu tun haben. Ebenso wenig mit der so genannten neuen Hamburger Schule, sprich mit Gruppierungen wie Messer, Trümmer oder Die Nerven, obwohl die ­ästhetischen Überschneidungen kaum zu leugnen sind. „Wir verstehen, wie die Vergleiche zustande kommen, aber wir sehen uns nicht in dieser Indie-Ecke“, erklärt Bamborschke.
Dann schon eher im Gebiet Protopop. „Das klingt halt einfach gut“, findet der Frontmann. „Es passt zu unserer Musik.“ Vielleicht ja deshalb, weil ihr Pop ähnlich rumpelt wie der Prototyp einer Maschine, bei dem noch nicht alles glatt läuft. Nur mit dem Unterschied, dass Isolation Berlin ihre Aussetzer, sprich all die krachigen und ruppigen Elemente, gar nicht beheben wollen. Was nicht heißt, dass die Band einen musikalischen Masterplan hätte. „Wir begreifen jeden Song als neues Projekt, als eigene Geschichte“, erklärt Schlagzeuger Simeon Cöster. „Wenn das nächste Lied nach Jazz verlangt, dann packen wir eben Jazz drunter.“ Soundtechnisch halten sich Isolation Berlin folglich alles offen. Oberstes Gebot ist die bestmögliche Ver­tonung des Songtextes.
Das Material hierfür sammelt Bamborschke für gewöhnlich bei seinen Streifzügen durch Berlin. „Achtzig Prozent meiner Texte entstehen unterwegs. Ich schreibe zum Beispiel viel in der U-Bahn. Alle Schicksale, die mir dort begegnen, fließen mit rein.“ Manchmal kommt er mit komplett fertigen Lyrics nach Hause, manchmal auch nur mit einem Gefühl, das er noch nicht artikulieren kann. „Ich warte dann darauf, dass es sprechen lernt“, erklärt der Frontmann.
Ganz ähnlich nahm auch die Band selbst ihren Anfang. Vor fünf Jahren ging Bamborschke durch eine depressive Phase, trennte sich von allen Leuten, die ihm nicht gut taten und war infolgedessen ganz auf sich gestellt. „Ich bin alleine durch Berlin geirrt und auf einmal waren diese Worte in meinem Kopf: Isolation Berlin.“ Es sollte jedoch noch einige Zeit dauern, bis daraus ein Band­name werden würde. Zunächst entstanden aus diesem Gefühl heraus lediglich ein paar lose Songskizzen, bald auch mit Unterstützung des Gitarristen und Organisten Max Bauer, in dem Bamborschke einen Gleichgesinnten fand. „Mittlerweile kann ich sagen, dass mein damaliger Zustand in mir eine Tür zu einer neuen Kreativität geöffnet hat, weil ich durch dieses unglaubliche Tief plötzlich die Kraft hatte, keine Erwartungen mehr zu erfüllen und nur noch das zu machen, worauf ich Lust habe“, sinniert der Sänger. Für die Zukunft hat er deshalb auch nur einen Wunsch:  „Ich will einfach, bis ich verrecke, von der Musik leben können.“

Text: Henrike Möller

Foto: Noel Richter

Feierhalle Friedhof ?Lilienthalstraße
Lilienthalstraße 7, Kreuzberg, Fr 19.2., 22.30 Uhr, ?VVK: 15 Euro zzgl. Gebühr  
 
Debütalbum: „Und aus den Wolken tropft die Zeit“ (Staatsakt)

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