Musiktipps

Konzerte diese Woche in Berlin: Unsere Tipps für Livemusik

Welche Konzerte finden diese Woche in Berlin statt? Die Auswahl ist groß, jeden Tag könnt ihr einen anderen Act live sehen. Jede Woche geben wir euch Tipps für die Auftritte, die sich besonders lohnen, mit den wichtigsten Infos zu Tickets, Terminen und Auftrittsorten. Die Konzerte diese Woche in Berlin solltet ihr euch nicht entgehen lassen.


Konzerte diese Woche in Berlin: Julia Jacklin

Julia Jacklin findet die richtigen Worte für schwere Themen. Foto: Nick Mckk

Die Frage, wie lange geliebte Menschen zu einem halten, zieht sich wie ein roter Faden durch das neue Album „Pre Pleasure“ der Singer-Songwriterin aus den Blue Mountains vor den Toren der australischen Metropole Sydney. Als sensiblere Geschichtenerzählerin erweist sich Julia Jacklin auch, wenn sie Generationskonflikte oder Trennungsschmerz reflektiert. Die Themenvielfalt spiegelt sich auch in facettenreichen Arrangements und ausgefeilten Kompositionen wider.

  • Columbia Theater Columbiadamm 9-11, Tempelhof, Do 24.11., 20 Uhr, VVK: 24,70 €, weitere Infos und Tickets hier

Sophie and the Giants

Konzerte diese Woche in Berlin: Sophie ohne Giants. Foto: Promo

Was wäre die Welt ohne Stampfbeats, Mitsingrefrains und Partyekstase? Ohne astrein produzierten Vorzeige-Pop? Ohne Strobolicht, Discokugel und Nebelmaschine? Während alles immer düsterer wird, bleibt uns immer noch die Musik, der Club, die Stars und Sternchen.

Die britische Musikerin Sophie Scott ist sich ihrer Verantwortung bewusst und liefert euphorische Tanzparkettkracher. Realitätsflucht? Kommerz? Egal. Ihr beschwingter Disco-Pop mit ordentlicher Good-Old-Party-Times-Nostalgie macht halt gute Laune. Die Pet Shop Boys treffen auf Dua Lipa, Funk auf Eurovision, bei dem Scott in diesem Jahr tatsächlich im Halbfinale performte. Over the top, warum nicht?

„We Own The Night”, heißt ein solcher Stimmungsgarant von Sophie and the Giants. „So let’s get drunk, fall in love”, singt sie über bombastischen Synthesizern. Im Musikvideo hüpfen leichtbekleidete Feierwütige. Ein bisschen erinnert das an Helene Fischer. Oder Jennifer Lopez im Beach-Club. Nur weniger unangenehm.

Von ihren Giants hat sie sich getrennt, der logische Schritt auf dem Weg zur SoloPop-Diva. Statt auf ihre Begleitband greift die Künstlerin nun auf Kollaboration mit hochkarätigen Producern zurück. So hat sie mit dem Dresdener Dance-Spezialisten Purple Disco Machine schon zwei Hit-Singles abgeliefert: „Hypnotized” von 2020 bleibt ein glamouröser Pop-Song und Hoffnungsbringer. Auch die aktuelle Zusammenarbeit „In The Dark” macht in seiner funky Verspieltheit Lust auf mehr. Spannend: Wer werden wohl Sophie Scotts neue Giganten? (Lennart Koch)

  • Frannz-Club Schönhauser Allee 36, Prenzlauer Berg, Sa 26.11., 21 Uhr, VVK: 26 €, weitere Infos und Tickets hier

Wir verlosen 5×2 Tickets: E-Mail bis 25.11. an: [email protected]; Betreff: Sophie and the Giants


Bryan Adams

Bryan Adams orientiert sich an einem Erfolgsrezept. Foto: Bruce Allen Talent

Das ist eine beeindruckende Zahl: Mehr als 100 Millionen Platten hat der Kanadier in vier Jahrzehnten verkauft. Und es dürften weitere dazu kommen. In diesem Jahr erschien das neue Album „So Happy It Hurts“, das im Zentrum des Konzertes stehen wird. Der 62-Jährige besinnt sich auf seine Wurzeln und spielt wieder hymnischen Rock, der ihm in den 1980er-Jahren den Durchbruch bescherte.

  • Mercedes-Benz Arena Mercedes-Platz 2, Friedrichshain, Mo 28.11., 20 Uhr, VVK: ab 58,40 €, weitere Infos und Tickets hier

Abdullah Ibrahim

Früher Dollar Brand, heute Abdullah Ibrahim. Foto: Abdullah_Ibrahim

Die Geschichte von Abdullah Ibrahim führt in eine Zeit, als es im Jazz wirklich um etwas ging. 1934 in der südafrikanischen Metropole Kapstadt geboren, wuchs Dollar Brand, wie er sich bis zu seiner Konvertierung zum Islam in den späten 1960er-Jahren nannte, unter dem rassistischen Apartheid-Regime auf. Schnell stieg er zum Star der Jazzszene in seiner Heimat auf, litt aber auch unter den menschenverachtenden Bedingungen, unter denen er leben und arbeiten musste.

1962 verließ er Südafrika, ging erst in die Schweiz, wo er von Duke Ellington unterstützt wurde, und knüpfte schon bald Kontakte zu den wichtigsten Jazzmusikern seiner Ära. Ob John Coltrane, Don Cherry oder Ornette Coleman, die Protagonisten des Jazzaufbruchs der 1950er- und 60er waren von dem beseelten Spiel des Südafrikaners begeistert. Folgerichtig zog Ibrahim, der 1970 die Pilgerreise nach Mekka machte, nach New York. Seine Musik wurde Teil des revolutionären Soundtracks der Black Power-Generation. Stark von Thelonious Monk beeinflusst, verwob er Jazz mit afrikanischen Elementen und entwickelte eine eigene Stilistik, die als Cape Jazz Bekanntheit erlangte.

Ibrahims Komposition „Mannenberg“ aus dem Jahr 1974 gilt bis heute als Hymne der Anti-Apartheid-Bewegung, er selbst wurde zur lebenden Legende des Jazz. Heute, mit knapp 90 Jahren, ist er immer noch auf Tour. Nach Berlin kommt er allein und stellt das während der Pandemie aufgenommene, sehr intime  Album „Solotude“ vor. Ein historisches Ereignis! (Jacek Slaski)

  • Haus des Rundfunks (Großer Sendesaal) Masurenallee 8-14, Charlottenburg, Di 29.11., 19 Uhr, VVK: ab 49 €

Wir verlosen 2×2 Tickets: E-Mail bis 28.11. an: [email protected]; Betreff: Abdullah Ibrahim


Konzerte in Berlin: Cari Cari

Immer unterwegs: Cari Cari. Foto: Andreas Jakwerth

Lange an einem Ort zu verweilen, stellt für Alex Köck und Stephanie Widmer etwas Unvorstellbares dar. Mit den Eindrücken einer längeren Reise durch Südoastasien und Australien zogen sie 2017 nach London. Dort nahmen sie im folgenden Jahr ihr Debütalbum „Anaana“ auf. Der Nachfolger „Welcome to Kookoo Island“ wiederum entstand in der österreichischen Heimat. Mit ihrer Mischung aus zurückgelehnten Indie-Sounds, Surf und sehr viel schrägem B-Movie-Flair gehen sie derzeit auf Tour

  • Astra Kulturhaus Revaler Str. 99, Friedrichshain, Di 29.11., 20 Uhr, VVK: 28,90 €, weitere Infos und Tickets hier

Michael Gira u.a.

Noise-Rock-Legende Michael Gira spielt ein Konzert in Berlin. Foto: Mark Benney

Mit seiner Band Swans avancierte Michael Gira in den 1980er-Jahren zu einem der wegweisenden Protagonisten des Noise Rocks. Solo präsentiert er sich alles andere als krachig. An diesem Abend sind weitere Künstler:innen zu erleben, die mit den Swans assoziiert werden. Jarboe blieb bis 1997 Teil der Band und veröffentlicht seitdem experimentelle Art-Pop-Platten. Kristof Hahn wiederum spielt noch heute mit Gira zusammen. Den Abend komplettiert der niederländische Komponist und Laute-Spieler Jozef van Wissem.

  • Silent Green Kulturquartier Gerichtstr. 35, Wedding, Do 1.12., 20 Uhr, VVK: 37,20 €, weitere Infos und Tickets hier

The Undertones

Die Geschichte der Undertones liest sich wie ein Märchen. Foto: Stephen Price

Ein Zitat der Undertones ziert John Peels Grabstein. Der einflussreiche Radiomoderator als Superfan einer jungen Punkband aus dem nordirischen Derry – eine Musikgeschichte aus dem Bilderbuch. Und Stoff für die Leinwand: Der Film „Good Vibrations” erzählt von einem bürgerkriegsgebeutelten Land, einem unerschütterlichen Plattenverkäufer und einer Gruppe, die zwischen Straßenschlachten und Stacheldraht einen lebensbejahenden Punksong schreibt. Ende der Siebziger, während die No-Future-Provokationen in England schon zur Plattitüde geworden sind, herrscht in Nordirland keine Zukunftsfreude. Umso kraftvoller wirkt dieser große, kleine Song: „Teenage Kicks”. Der unerschütterliche Plattenhändler und Betreiber eines Labels in Belfast schickt eine Kopie an John Peel.

The rest is history: Der BBC-Radio-One-Star hat seinen Lieblingssong gefunden. Und spielt ihn zwei Mal hintereinander in seiner Show. Eine Handvoll Akkorde, blauäugige Zeilen, zweieinhalb Minuten unperfekte Perfektion. Es folgen Auftritte bei Top Of The Pops und auch die Musik der Untertones wird poppiger. Die Band aus Derry erspielen sich tatsächlich die Berühmtheit. Von wegen No-Future. 1983 ist Schluss. Die Gitarrenverstärker bleiben 16 Jahre stumm. Erst 1999 finden die Musiker wieder zusammen. Und was macht John Peel? Er spielt die neue Single „Thrill Me” zwei Mal hintereinander. Wie 1978. Wenig später stirbt der prägende Radiomoderator. Auf seinem Grabstein: „Teenage dreams so hard to beat”. Und die Undertones? Wenn sie nicht gestorben sind, dann spielen sie noch heute. (Lennart Koch)

  • SO36 Oranienstr. 190, Kreuzberg, Fr 2.12., 20 Uhr, VVK: 37 €, weitere Infos und Tickets hier

Wir verlosen 5×2 Tickets: E-Mail bis 30.11. an: [email protected]; Betreff: Undertones


Nothing.Nowhere.

Emo-Rapper Nothing. Nowhere. Foto: Dan Brown

Häufig wird der Stil des US-Amerikaners als „Emo-Rap“ beschrieben. Jedoch widmet sich der 30-Jährige nicht nur dem Sprechgesang, sondern singt ebenso – in der Regel zu Trap-Beats und zugänglichen Melodiebögen. Für sein aktuelles Album „Trauma Factory“ schrieb Nothing. Nowhere mehr als 100 Songs, von denen 15 den Weg auf die Platte fanden. Als roter Faden ziehen sich Strategien durchs Album, mit erlittenen Schmerzen klarzukommen und den Alltag bestreiten zu können.

  • Gretchen Obentrautstr. 19-21, Kreuzberg, Fr 2.12., 19 Uhr, VVK: 36,30 €, weitere Infos und Tickets hier

Kwam.E

Mächtig motiviert: Kwam.E, Foto: Modou Touray @ nvsavibes

Plötzlich war er da. Aus dem Nichts. Und häufig ist es so, dass Künstler, die wahnsinnig schnell wahnsinnig viel Aufmerksamkeit bekommen, ebenso schnell wieder verschwinden. Vor allem, wenn sie saisonale Hymnen produzieren. Doch nicht immer greift der Fools-Garden-Effekt. 2016 glitt Kwam.E mit dem Sommer-Sonne-Lipton-Ice-Song „Bist du Down?“ lässig in die YouTube-Trends, damals noch als Sidekick der Rapperin Ace Tee.

Fürs Gastauftritt-Schattendasein war der Rapper aber zu interessant. Der Stil: 1980er-Jahre Boombap; die Stimme: kratzig, aufgeregt, bisschen Marlboro rot, bisschen Monster Energy; der Output: unerschöpflich. Auf vier Platten kommt er mittlerweile. Zuletzt erschien der zweite Teil seiner Kollabo mit Tom Hengst „Concrete Cowboys 2“. Kwam.E hat Bock, ist heute nicht mehr aus dem Hamburger Rapkosmos wegzudenken. Und irgendwie schafft er es, stets sympathisch zu wirken. Es macht Spaß, ihm zuzuhören, selbst wenn es in den Songs nur um ihn und sein Standing auf den hanseatischen Straßen geht.

Seinen Status als arbeitsliebender Musiker will er sich erhalten, schwierigen Umständen zum Trotz. So nutzte Kwam.E die Pandemie, um einen Schwall neuer Songs zusammenzuschustern. Genug Material, um damit die Bühnen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz abzugrasen. Passend zur Jahreszeit – und zum politischen Klima – startete er seine „Izza Cold World“-Tour. Er selbst sagte mal, dass Hamburg keine Liebe zeigt. Das will er mit seiner Musik ändern. Ein wenig davon bringt er demnächst nach Berlin. Schön, kann man immer gebrauchen. (Tim Kröplin)

  • Hole44 Hermannstr. 146, Neukölln, Fr 2.12, 20 Uhr, VVK: 30 €, weitere Infos und Tickets hier

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