Konzerte

Matana Roberts

Matana Roberts

Es wäre verkürzt, Matana Roberts lediglich als Musikerin zu bezeichnen. Die 1975 in Chicago geborene Roberts ist mit der Musik von Albert Ayler und Sun Ra aufgewachsen, sie lernte bereits im Teenager-Alter Klarinette und Saxofon und verdiente sich ihre ersten Sporen in der Improv-Szene von Chicago, wo sie unter anderem auf die Mitglieder der Postrock-Band Tortoise traf. Doch Roberts versteht Musik in erster Linie als Medium, das ihre Ideen transportiert. Am besten beschreibt ihre Arbeitsweise das zwölfteilige Projekt „Coin Coin“, das auf historischen Textquellen, Ton- und Videodokumenten basiert, die als Anthologie des afro-amerikanischen Erbes der USA fungieren. Roberts tritt in diesem Projekt als Bandleaderin auf, ihre Mitstreiter sind junge Musiker, die sich auf eine Ära des Jazz beziehen, die im engen Austausch mit der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung stand und an einer neuen musikalischen Ausdrucksform interessiert war. Roberts führt diese politische Tradition mit ihrem „Coin Coin“-Projekt heute konsequent fort. Anfang des Jahres erschien mit „River Run Thee“ der dritte Teil, mit dem Roberts, nach zwei Band-Alben, erstmals als Solo-Künstlerin ihre Klasse beweist. „River Run Thee“ ist konzentrierter als die Free Jazz-lastigen Vorgänger, die Musik erinnert mit ihren vielschichtigen, polyphonen Arrangements an die spirituellen Alben von Alice Coltrane, die mit ihrem Drone-artigen Harfenspiel eine Art kosmischen Jazz schuf. Roberts Musik ist mehr in der Wirklichkeit verankert: Sie mixt Overdubs ihrer eigenen Stimme mit Field Recordings, historischen Tonaufnahmen und mäandernden Synthesizer-Flächen, die im Zusammenspiel mit Roberts Gesang, der das ganze Spektrum von Soul bis Vokalkunst abdeckt, eine geisterhafte Qualität besitzen. Es ist nicht übertrieben, wenn das britische Musik-Blog The Quietus Roberts eine der wichtigsten US-Künstlerinnen der Gegenwart nennt.     

Text: Andreas Busche

Foto:
Jason Fulford

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