Konzerte

Mumford & Sons

Mumford & Sons

Ein Hobbypsychologe würde Mumford & Sons wohl selbstzerstörerische Tendenzen nachsagen. Oder warum haben sie sich sonst dazu entschieden, ihr Markenzeichen, ja ihre ganze Erfolgsgrundlage einfach wegzuschmeißen? Auf der aktuellen Platte „Wilder Mind“ findet sich kein einziger munterer, verspielter Folk-Rock-Song mehr. Der mehrstimmige Gesang, die andächtige Grundhaltung, ja sogar das Banjo – alles weg. Es sei eine natürliche Weiterentwicklung gewesen, rechtfertigt sich Sänger Marcus Mumford. „Gegen Ende der ‚Babel‘-Tour haben wir während der Soundchecks immer ein paar neue Stücke gespielt, und irgendwie kamen sie alle ohne Banjo und Bass­trommel aus. Wir sagten uns nicht explizit: Akustik-Instrumente verboten! Wir hatten nur einfach alle Lust, die ganze Sache mal etwas anders anzugehen.“
Anders heißt in dem Fall jedoch keineswegs innovativ oder experimentierfreudig. Die neuen Mumford & Sons haben ein klares Vorbild: ?beliebigen, kommerziellen, amerikanischen Pop-Rock. Bass und Drums tuckern stoisch vor sich hin, leicht verzerrte und minimal delayte E-Gitarren watscheln in gemächlichem Tempo im Kreis, bis für sie der Punkt erreicht ist, aus dem Trott auszubrechen, um in Form eines harmlosen Klanggewitters ein wenig Stunk zu machen. Ähnlich fahl und formelhaft kommen die Texte daher: „Your words are empty as the bed we made“ („Ditmas“). Selbst Marcus Mumfords Stimme scheint im Zuge der Stadion-Rock-Aufrüstung glatt gebügelt und in emotionaler Hinsicht ausgesaugt worden zu sein. Im letzten Track, der Klavier-Ballade „Hot Gates“, wirkt er derart gelangweilt, dass man schon befürchtet, er könnte jeden Moment „Fuck this“ ins Mikro brüllen und Leine ziehen. Vielleicht doch eher vorgezogene Midlife-Crisis statt Selbstzerstörung?   

 

Text: Henrike Möller

Foto:
Universal Music

Waldbühne Vorbands Bear’s Den und The Very Best, Am Glockenturm, Charlottenburg, ?Fr 17.7. (ausverkauft) + Sa 18.7., 18 Uhr, VVK: 66,50 Euro zzgl. Gebühr

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