Konzerte

17.000 Mittelfinger in der Luft: Nina Chubas Tourabschluss in der Uber Arena

Nina Chuba spielte am 9. November 2025 zum Abschluss ihrer Arena-Tour in der Uber Arena. Die Show begeisterte vor allem jungen Fans sichtlich. Unsere Konzertkritik.

Nina Chuba live beim Auftakt ihrer Arena Tour 2025 in der Messehalle Erfurt. Foto: Imago
Nina Chuba live beim Auftakt ihrer Arena Tour 2025 in der Messehalle Erfurt. Foto: Imago/Future Image/M. Kremer

Schon in der S-Bahn, kurz vor der Station Warschauer Straße, ist unübersehbar, wer an diesem Sonntagabend in der Uber Arena spielt. Eine ganze Traube aufgeregter Zehnjähriger mit Glitzer auf den Wangen und Perlen in den Zöpfen verrät es sofort: Nina Chuba. Das Berlin-Konzert war das Finale der diesjährigen Arena-Tour der Musikerin.

Konfettiregen, heißes Outfit, grelle Lichter, gute Laune: Mit ihrem Durchbruch-Hit „Wildberry Lillet“ eröffnete sie die Show.

Die Stimmung ist gut, aber das Publikum ein wenig starr. Je weiter man sich im Innenraum nach vorne kämpft, desto unbeweglicher werden die Reihen. Einige wenige junge Frauen hüpfen zwischen den wie Baumstämmen stillstehenden Zuschauer:innen in der dritten Reihe. Man hört sie mitsingen, weil die anderen es nicht tun. Wer springt oder tanzt, steht ein wenig unter Beobachtung. Euphorie scheint sich hier eher im Inneren abzuspielen.

Die viel belächelten Kinder-Fans stören allerdings überhaupt nicht: Sie verausgaben sich in den Rängen, tanzen, jubeln und freuen sich über ihr Idol. Nina Chuba, die sagt, was sie will: Immos und Dollars zum Beispiel. Die selbstbewusst ist, darüber singt, dass sie sich gut fühlt und gut aussieht, und trotzdem auch nahbar und verletzlich sein kann. Deren Herz nicht nur wegen der romantischen Liebe bricht, sondern auch, weil sie ihre beste Freundin verliert, so wie im Song „3 Uhr nachts“.

Nina Chuba ist live ganz schön rockig

Live zeigt sie eine andere Facette ihrer Musik. Die Songs, die im Studio glatt und poppig klingen, interpretiert sie auf der Bühne deutlich rauer. Elektronische Sounds, die auf ihrem aktuellen Album „Ich lieb mich, ich lieb mich nicht“ dominieren, weichen Gitarrenriffs und Schlagzeug-Beats. Es wird rockig, fast rotzig. Bei „Rage Girl“ wird sie im roten Licht wütend: „Ich bin ein riesen Problemkind / Ich hab heute heute Stress mit jedem“. 

Gegen Ende des Konzerts erreicht die Stimmung ihren Höhepunkt. Gemeinsam mit Chapo 102 performt Nina den Banger „Ich glaub ich hass dich“. 17.000 Mittelfinger recken sich in die Luft der ausverkauften Uber Arena, endlich springen und singen alle. Danach wird es stiller, als ein Meer aus Handytaschenlampen aufleuchtet und Nina mit dem emotionalen Song „Unsicher“, scheinbar über der Menge schwebt.

Die letzte Zugabe des Abends, ist auch der letzte Song des Albums „So lange her“. Die 27-jährige singt darüber lange nicht zuhause gewesen zu sein, wirkt sichtlich angefasst auf der großen Leinwand neben der Bühne. Sie weint ein bisschen, auch „weil ich niemals gedacht hätte eine Arenashow spielen zu können.“ Sie strahlt.

Das Publikum ist nicht nur jung: Megaloh ist begeistert von Nina Chubas Tourabschluss

Nach dem emotionalen Abschluss, mit feuchten Augen auf der Bühne und im Publikum, schallt Vicky Leandros’ „Ich liebe das Leben“ durch die Halle. Einige junge Fans nehmen sich an den Händen und tanzen losgelöst über den mit Konfetti bedeckten Boden.

Doch Nina Chuba begeistert lange nicht nur 13-Jährige. Auch der Moabiter Rapper Megaloh, der das Konzert im Stehbereich verfolgt hat, ist ganz berührt: „Ich erzähle jetzt jedem, der es hören will oder nicht, wie krass sie ist.“


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Eine ebenfalls sehr erfolgreiche Popsängerin aus Berlin ist Zsá Zsá. Die Kinderdarstellerin aus dem Film „Wilde Hühner“ ging im Frühjahr mit „bad bunnies“ viral. Außerdem setzt sie sich für mehr Frauen im Songwriting ein. Wir waren beim von Warner Chappell Music organisierten „She Camp“ dabei. Schon deutlich länger im Berliner Musikbusiness: Max Herre und Joy Denalane. Wir haben das Sängerpaar im Interview gesprochen. Neben Zsá Zsá und Ikkimel gibt es noch weitere Musikerinnen, die sexpositiven Rap machen: Das Rap-Duo 6euroneunzig liefert provokante Texte auf tanzbaren Beats. Mehr Interviews, Konzertkritiken und News findet ihr in unser Musik-Rubrik.

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