Konzerte

Phillip Boa spielt im Huxleys

Phillip Boa

Nun ist es wieder passiert: Pia Lund ist abermals aus Phillip Boas Voodooclub ausgestiegen, dem gemeinsamen Unternehmen seit 30 Jahren. Schade, denn das markante Brumm­singen des 51-Jährigen entfaltet seine Wirkung bekanntlich immer dann am besten, wenn es in Begleitung eines zarten weiblichen Gegenstücks daherkommt – man denke an die Hits aus Major-Label-Zeiten, wie „And She Kissed Her“ oder den Klassiker „Container Love„. Da nun mal die Doppelharmonien dem Boa’schen Schrammel-Glam-Rock ihren charakteristischen Hell-dunkel-Kontrast verleihen, ist es kein Wunder, dass der Indie-Langstreckenläufer sofort die Lücke füllte: Pris heißt die Neue, und sie verfügt über einen ähnlich traumverlorenen Mädchensopran wie einst Lund.
Wo das beachtlich erfolgreiche Album „Loyality“ zuletzt euphorische Romantik versprühte, überwiegen auf dem Nachfolger „Bleach House“ Rotzigkeit und fröhliche Schrägheit. In Songs wie „Überblendung“ flackern Ska-Rhythmen nach alter Specials-Schule auf, punkiger Stoff wie „Snake Plissken“ wartet dagegen mit hart geschrubbter E-Gitarre und Drei-Akkorde-Melodik auf – selbstverständlich nicht ohne bittersüßen Sing-along-Chorus. All das ist unverhohlen nostalgisch gefärbt. Teils zitiert Boa auch munter Boa. Vielleicht ist die Zukunft ja schlicht überbewertet. Einer der neuen Boa-Songs legt es nahe, Titel: „Kill the Future“.  

Text: Ulrike Rechel

Foto: Promo

Huxleys Neue Welt Hasenheide 107/108, Neukölln, ?Sa 6.12., 21 Uhr

Mehr über Cookies erfahren