Singer/Songwriter

Sam Fender spielt in der Columbiahalle

Die dicken Bretter: Auf die dringlichen Hymnen von Sam Fender gibt es hierzulande keine Antwort

Universal Music

Auch wenn man es ihnen gerade in Brexit-Zeiten nur zähneknirschend zugesteht: Die Briten bleiben uns populärmusikalisch weit überlegen. Das zeigen alleine die jungen Singer/Songwriter, die es in der Ära HipHop auf Platz eins im Vereinigten Königreich schaffen. Während wir egale Weichspüler-Barden der Sorte Mark Foster haben, gibt’s drüben Knaben wie einen – mittlerweile etwas in Vergessenheit geratenen – Jake Bugg oder einen Sam Fender.

Klar, auch die sind knuffig und haben das Rad nicht neu erfunden. Aber sie sind vor allem auch schnodderige Working-Class-Lads, die in ihren von Dylan (Bugg) und Springsteen (Fender) inspirierten Gitarrenhymnen über eine wenig beschauliche UK-Realität zwischen Sozialwohnung und Pub singen.

Der 25-jährige Fender aus der Nähe von Newcastle, der vor ein paar Jahren auf der vielbeachteten „Sound of 2018“-Liste der BBC landete, bohrt auf seinem Debütalbum „Hypersonic Missile“ nun sogar dickere Bretter: toxische Männlichkeit und die tödlichen Folgen, Apathie und Überwachungsstaat. Dabei pendelt er zwischen politisch wacher Reflexion und kleinstädtischer Politikverdrossenheit, ist manchmal etwas plump und dem „Boss“ allzu dicht auf den Fersen. Aber ihre Intensität und Verlorenheit geben Fenders Songs trotzdem eine völlig andere Qualität als die akustischen Kalendersprüche, die einem hierzulande um die Ohren fliegen. Ob’s uns passt oder nicht, ohne die „Brits“ kommen wir vorerst einfach nicht aus.

Columbiahalle Columbiadamm 13–21, Tempelhof, Fr 28.2., 20 Uhr, VVK 36,20 € zzgl. Gebühren

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