Weihnachtszeit, Weihnachtszeit: Am 6. Dezember eröffnete Sido seine diesjährige Weihnachtsshow-Serie vor 3.500 Fans. Es war der Auftakt von insgesamt 15 ausverkauften Konzerten. Selbst der „Arschf*cksong“ schafft es diesmal wieder auf den Wunschzettel.

Ein Weihnachtsmarkt nur für Sido
Sido hat die Columbiahalle restlos ausverkauft – und das gleich 15 Mal hintereinander. Am Nikolaus-Abend, dem Auftakt der Konzertreihe, riecht es schon vor der Show überall nach Glühwein. Neben der Halle wurde gar ein eigener Sido-Weihnachtsmarkt aus dem Boden gestampft: Schokoweihnachtsmänner mit Sido-Gesicht, Glühweinbecher mit Sido-Aufdruck, vegane Bratwurst gibt’s auch. Drinnen Lametta, darunter drängt sich ein gemischtes Publikum aus Kindern, Erwachsenen und eingefleischten Fans. Die einen im Weihnachtspulli, die anderen im Sido-Gedächtnis-Outfit – im Bademantel.
Der Vorhang hebt sich und gibt eine kitschige Wohnzimmerkulisse frei: Tannenbaum, Kaminfeuer, zwei Sofas, im Hintergrund eine glitzernde Schneelandschaft. Sido betritt im Samtsakko die Bühne, getönte Brille auf der Nase, und eröffnet den Abend mit seinem „Weihnachtssong“. Kurz darauf späht er ins Publikum. „Wie alt bist du denn?“ fragt er einen Jungen in der ersten Reihe. „Acht!“ – „So viele Kinder hier… was machen wir denn dann heute mit dem Arschf*cksong?“ Die Menge johlt.
Bescherung mit Onkel Sido
So nimmt dieser erste von 15 (!) Abenden in der Columbiahalle seinen Lauf. Die Stammgäste wissen ohnehin: Ganz am Ende kommt der „Arschf*cksong“ natürlich – Tradition ist Tradition. Überhaupt ist Tradition ein wichtiges Stichwort: Viele Besucher:innen besuchen die Show jedes Jahr mit der ganzen Familie, nicht wenige sind extra aus Bayern, Stuttgart oder NRW angereist. Keine Adventsstimmung ohne Sido.
Der liefert das passende Programm. Zwar sind schon Songs wie „Carmen“ nicht ganz jugendfrei, aber die wirklich derben Aggro-Berlin-Tracks werden ausgespart. Stattdessen verteilt Sido großzügig Radiohits wie „Der Himmel soll warten“ oder „Bilder im Kopf“, der entscheidenden Wegmarke seiner Verwandlung vom Maskenmann hin zum Pop-Phänomen. Zwischendurch wird „Oh Tannenbaum“ angestimmt, Kinder und mutige Erwachsene aus dem Publikum dürfen auf die Bühne, Gedichte vortragen und erhalten dafür PlayStation oder Carrera-Bahn. Bescherung bei Onkel Sido.
Ganz wholesome wird es, als eine Gruppe der Jüngsten auf die Bühne darf, um mit ihm im Chor zu singen – so wholesome, dass man fast vergisst, dass er kurz zuvor einen Neunjährigen gefragt hat, ob er lieber Paw Patrol schaut oder schon Pornos. Nun ja, Sidos Botschaft an besorgte Eltern ist seit „Schlechtes Vorbild“ hinlänglich bekannt: „Wenn euer Kind versucht, wie ich zu sein, dann lasst es machen.“
Zwischen Volksmusik-Vibes und Berliner Schnauze
Die meisten Eltern wirken ohnehin unbeeindruckt. Wahrscheinlich, weil sie selbst die Sido-Fans von früher sind – älter geworden, wie er. Und genau dadurch entsteht an diesem Abend durchaus eine familiäre Stimmung, die man dem ehemaligen Aggro-Berserker so nicht mehr wegdiskutieren kann. Sido singt Lovesongs, so süßlich, dass man eher an Volksmusik denkt als an das Märkische Viertel. Er nimmt sich Zeit für Selfies mit allen Chor-Kindern, grüßt die ersten drei Reihen einzeln ab, singt einer Mutti im Publikum ein Geburtstagsständchen. Sido for Bürgermeister, möchte man fast sagen.
Allerspätestens als Loona gegen Ende eine Uptempo-Version von „Bailando“ performt – irgendwo zwischen Ballermann und Wiesn – und Sido zum Massenhüpfen in die Menge springt, wird klar: Das hier ist ein einziges Millennial-Fest. Und Millennials sind bekanntlich cringe – und frei.
Und natürlich bekommen die Hartgesottenen am Ende ihren „Arschf*cksong“. Einige Eltern schieben ihre Kinder da dann doch lieber schon mal unauffällig Richtung Ausgang. Tradition bleibt Tradition.
Sidos Weihnachtsshow – wir waren dabei
Mehr Konzerte
Wir waren auch bei Sidos Jubiläumstour dabei – der Konzertbericht. Und wir haben Radiohead in der Uber Arena live gesehen – so war das Konzert. Hinaus zum 1. Mai 2026: Rosalía kommt nach Berlin! Wie ihr an Tickets kommt, lest hier hier. So war das Konzert vom Jamiroquai: Ist die Band aktueller denn je? Pop-Feuerwerk mit Nostalgie, Hits und Pferden: Nelly Furtado war der Star der Off Days in der Zitadelle. Die Auswahl ist groß: Diese Konzerte dürft ihr im Dezember in Berlin nicht verpassen. Das Jahr neigt sich langsam dem Ende zu: Das waren die wichtigsten Konzerte des Jahres 2025 – und diese kommen noch. Blick nach vorn: Die wichtigsten Konzerte 2026 in Berlin. Ihr möchtet die Berliner Musikszene noch besser verstehen? Wir haben ein Interview mit Rapper Apsilon geführt: „Moabit, mein Kiez, meine Straße – das ist Heimat für mich“. Paula Hartmann hingegen sagt: „In Berlin wächst man mit einem Grundmodus von Reizüberflutung auf“.


