Konzerte

Sleater-Kinney im Huxleys

Sleater-Kinney im Huxleys

Um die weitere Existenz dieser Band musste man sich nie Sorgen machen. Auch vor neun Jahren nicht, als Corin Tucker, Carrie Brownstein und Janet Weiss mit dem Album „The Woods“ neue Wege gingen. Sie standen nicht mehr wie früher unter ständiger Hochspannung, sondern testeten andere Extreme aus. Es waren Momente der Entspannung, aber auch in die Überlänge gehende Stücke enthalten, in denen sie ihre Experimentierfreude auslebten. Der von seiner Zusammenarbeit mit The ­Flaming Lips oder Mercury Rev bekannte Produzent Dave ­Fridmann war ihnen dabei behilflich. Aber dann entschieden sich Sleater-Kinney plötzlich, für unbestimmte Zeit eine Pause einzulegen. Eine Erklärung dafür gab es nicht. Aber konnte man wirklich verwundert sein?
Diese Frauen hatten nie eine gleichmäßig verlaufende Karriere im Sinn. Dagegen sprachen allein schon ihre Ursprünge in der Stadt Olympia im Bundesstaat Washington, die Anfang der 90er eine Hochburg der Riot-Grrrl-Bewegung war. Tucker und Brownstein waren mit ihren ersten Bands Heavens to Betsy (deren Album „Calculated“ ist ein Indie-Rock-Klassiker) und Excuse 17 ein Teil davon und hatten ein Ziel. „Als es mit der Begeisterung um Nirvana losging, gab es unzählige Bands mit grimmigen und harten Kerlen drin, die mit aller Macht Größe demonstrierten. Für Frauen war das keine erfreuliche Angelegenheit, gerade bei Konzerten. Es ging sehr aggressiv zu. Darauf mussten wir reagieren. Wir versuchten, uns auf unsere Weise durchzusetzen“, erinnert sich Tucker. Die Entwicklung ging stufenweise voran. Sleater-Kinney waren erst eine Nebenbeschäftigung. Als ihre anderen Bands sich auflösten, machten Tucker und Brownstein unter diesem Namen hauptberuflich weiter. Richtige Klasse bewiesen sie mit dem Album „Dig Me Out“ aus dem Jahr 1997, bei dem zum ersten Mal auch Schlagzeugerin Weiss mit dabei war. Damals kam vieles von dem zusammen, wofür sie bekannt sind: Punk-Hochspannung, feministische Haltung, ein genau richtiges Maß an Melodiegefühl und nie zu offensichtliche Parallelen zu anderen Gruppen.
Geändert hat sich daran bis heute wenig, was auch daran liegt, dass die Musikerinnen in der Zeit der Bandpause weiter aktiv geblieben sind. Tucker wurde zweifache Mutter, veröffentlichte zwei Soloalben und gründete mit Peter Buck und Krist Novoselic die Band Super-Earth. Brownstein spielte eine Hauptrolle in der fünfteiligen Comedy­serie „Portlandia“ und wurde damit zum ersten Mal einem größeren Publikum bekannt. Mit Weiss, die zwischenzeitlich auch bei Stephen Malkmus & The Jicks spielte, nahm sie ein Album unter dem Namen Wild Flag auf. Das war alles schön und gut. Aber auf Dauer ließ sich der Versuch eines Neustarts von Sleater-Kinney nicht mehr aus den Köpfen drängen. „Wir hatten das Gefühl, dass sich etwas angestaut hatte, das nur wir drei zusammen abarbeiten können. Es sollte alles klar und deutlich zum Ausdruck kommen, nicht mehr über Umwege“, sagt Brownstein. Das lässt sich auch für die Texte bestätigen. Sleater-Kinney geben mit dem neuen Album „No Cities to Love“ klar und deutlich zu erkennen, dass sie mit den gegenwärtigen Zuständen unzufrieden sind. Städte zerfallen, gehen pleite oder leiden unter Cliquenwirtschaft. Die Band äußert sich dazu, indem sie ihre zwei Gitarren und das Schlagzeug mit der Wucht eines Weckrufs bedienen. Es ist eine Rückkehr, die be­eindruckt.

Text: Thomas Weiland

Foto: Brigitte Sire

Huxleys Neue Welt Hasenheide 107, Kreuzberg, Mi 18.3., 20 Uhr, VVK: 28 Euro zzgl. Gebühr

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