Konzerte

Slipknot

Ein altes Sprichwort besagt: Wer austeilt, muss auch einstecken können. Nun sind die Maskenmänner beim Austeilen sicherlich keine Unschuldslämmer – und dennoch: Manch andere Kapelle wäre an dem, was in den letzten Jahren zu verkraften war, sicherlich zerbrochen. Slipknot indes antworteten im Oktober 2014 mit einem neuen Album.
Erste Abgesänge erklangen nach dem Tod von Bassist Paul Gray, der im Mai 2010 einen selbst gemixten Medikamentencocktail nicht überlebte. Dann gab es gegenseitige Schuldzuweisungen um den Ausstieg/Rausschmiss von Drummer Joey Jordison. Schließlich ­wurde Frontmann Corey Taylor nie müde, zu verlautbaren, dass er sich künftig mehr auf sein Zweitprojekt Stone Sour konzentrieren wolle.
Umso schöner, dass die Männer aus Iowa eben nicht nur austeilen können. „.5: The Gray Chapter“ ist die Song gewordene Verarbeitung des Bassisten-Todes. „Wir waren definitiv im Arsch – und zwar alle“, beschreibt Shawn „Clown“ Crahan, inzwischen neben Taylor letztes verbliebenes Gründungsmitglied, die Situation: „Wir verstecken uns zwar hinter ­düsteren Masken und machen auf der Bühne auf dicke Hose, aber hinter der Fassade sind wir auch nur Kerle aus Fleisch und Blut, die eine gute Zeit haben wollen.“
Eine „gute Zeit“ heißt bei Slipknots neuem ­Album: düster und hart im Grundton, mit ­wenigen Melodie-Atempausen und stets ­vorangetrieben vom neuen Drummer Jay Weinberg. Auch am Tieftöner wurde mit ­Alessandro Venturella adäquater Ersatz gefunden. Fans der ersten Stunde mögen nun anmerken, dass sich Slipknot mit dem neuen Release nur noch unwesentlich von Taylors Stone Sour unterscheiden. Letztlich dürften diese Einwände dem Metal-Nonett aber völlig egal sein, denn Slipknot waren von Anfang an nicht ­allein die Musik, sondern – beginnend bei den Outfits und Masken – zum großen Teil auch immer die Show.  


Text:
Martin Zeising

Foto:
M. Shawn Cragan

Max-Schmeling-Halle Am Falkplatz 1, Prenzlauer Berg, Sa 7.2., 19 Uhr (ausverkauft)

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