Live-Kultur

Konzert im Olympiastadion: Thundermother wollen im Mai Corona-Helden belohnen

Ein Konzert im Olympiastadion? Am 4. Mai schon? Offenbar ja: Die schwedische Band Thundermother will in Berlin aufspielen – und das sogar vor einem ausgewählten Publikum. Die Ankündigung klingt 2021 relativ verrückt. Ist aber durchaus real. Ein Radiosender plant das Event derzeit.

Thundermother live im September 2020: Im Mai wollen sie im Olympiastadion spielen – vor Fans. Foto: Imago/Bobo
Thundermother live im September 2020: Im Mai wollen sie im Olympiastadion spielen – vor Fans. Foto: Imago/Bobo

Thundermother wollen kleines Konzert in größter Konzertlocation Berlins spielen

Tatsächlich soll das Quintett vor allem für jene Menschen spielen, die sich in der Corona-Krise verdient gemacht haben. Zum Beispiel Pflegekräfte, Verkäufer*innen – eben alle, die sich nicht im Home-Office zurückziehen konnten, sondern besonders häufig und oft rausmussten und -müssen. Die Auswahl, wer ins Stadion darf, trifft der Radiosender StarFM, der die Rockerinnen für das Event gebucht hat. Gesprochen wird vom „kleinsten Konzert in der größten Konzertlocation Berlins“.

Ganz exklusiv für die Anwesenden ist der Auftritt jedoch nicht: Ticketmaster verkauft Eintrittskarten für ein Stream-Event eine Woche später, Frühbuchende zahlen derzeit zwölf Euro – per App lässt sich das auch mit VR-Brille erleben. „Wir wissen zu schätzen, was unsere Fans leisten, die täglich in der Pflege, im Supermarkt und in anderen schwierigen Berufen arbeiten“, zitiert StarFM Guernica Mancin von der Band. „Für sie möchten wir das tun, was wir am besten können, ihnen Kraft schenken mit einem ganz besonderen Konzert nur für sie.“

Das Olympiastadion: Hier soll das kleinste Konzert am größten Ort in Berlin stattfinden – die meisten Menschen werden digital teilnehmen, so oder so. Foto: Imago/Camera 4

Wie viele Menschen teilnehmen dürfen, ist noch nicht klar – die Zahl könne allein deshalb nicht genannt werden, „da diese abhängig von den aktuellen Senatsbeschlüssen ist und gegebenen Falls kurzfristig angepasst werden muss“, so StarFM online. Auch die durchaus realistische Möglichkeit, dass es keine Erlaubnis für ein Event vor Publikum gibt, besteht. Dann würden diejenigen, die Tickets gewonnen haben, einfach Streaming-Tickets erhalten. Und das ist, bei aller Begeisterung, wohl gar nicht so unwahrscheinlich.

Events vor Publikum in Berlin vorerst unwahrscheinlich

Denn derzeit werden die Regulierungen wieder härter, in dieser Woche soll das Infektionsgesetz so geändert werden, dass der Bund mehr Zuständigkeiten hat – und schneller und direkter Schließungen in Regionen mit hoher Inzidenz durchsetzen kann. Das dürfte Berlin betreffen, hier liegt der Wert seit Tagen über 100. Dass dann jegliche Art von Kulturevents mit irgendeiner Form von Publikum abgehalten werden dürfen – leider vorerst unwahrscheinlich.

Zumal der Senat seine eigene Kultur-Test-Reihe vorerst eingestellt hatte. Vor wenigen Wochen hatte es Konzerte und Aufführungen unter strikten Regeln gegeben, um zu sehen, was machbar ist. Um einen geplanten Testlauf für die Gastronomie in Mitte ist es ruhig geworden. Wie auch, wenn der Bund solche Versuchsballons in Bereichen mit hoher Inzidenz ausschließt. Und Mitte ist so einer.

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Das spricht alles nicht unbedingt dafür, dass Konzerte mit Publikum möglich sein werden. Gleichzeitig ist es natürlich ein netter Ansatz: wo, wenn nicht im Olympiastadion, wäre genug Platz für ein paar Hundert Fans, die sich tatsächlich nicht mal ansatzweise nah kommen müssten? Zudem könnte auch das ein weiterer Schritt für ein paar Events im Sommer sein: aus Erfahrung lernt man. Während die meisten Menschen aller Voraussicht nach in wenigen Tagen wieder einige Freiheiten aufgeben müssen, ist es aber auch schwierig, andernorts in der Stadt Konzerte zu veranstalten. Wohl auch deswegen hält sich StarFM so bedeckt darüber, wie viele Menschen letztlich reinkommen sollen – beziehungsweise dürfen.

Schwedische Band reist offenbar extra nach Berlin

Ganz grundsätzlich kann man natürlich auch fragen, warum genau eigentlich eine schwedische Band in Berlin aufspielen muss, wenn es schon derartige Events gibt. Erstens hat Berlin genug Musiker*innen, die angesichts der quasi non-existenten Auftragslage darben. Zudem ist Reisen etwas, das derzeit immer noch verpönt ist. Klar, berufliche Ausflüge sind möglich, und ein Konzert ist sicher ein Job. Ob der Auftritt für ein paar Dutzend Fans nun wirklich dafür spricht, dass Menschen in anderen Länder auftreten, darüber kann man streiten (und am besten nicht das Modelabel Bottega Veneta fragen, das im Berghain Modeschauen veranstaltet).

Lollapalooza Festival 2019 im Olympiastadion: Bis es so wieder aussieht bei Konzerten, dürfte es noch etwas dauern. Thundermother wollen vor nur wenigen Corona-Helden spielen. Foto: Imago/Pop-Eye
Lollapalooza Festival 2019 im Olympiastadion: Bis es so wieder aussieht bei Konzerten, dürfte es noch etwas dauern. Thundermother wollen vor nur wenigen Corona-Helden spielen. Foto: Imago/Pop-Eye

Also alles schlecht an dem Plan des Senders? Keinesfalls. Denn irgendwie zeigt es ja auch, wie viele Menschen alles versuchen, ein bisschen Normalität herzustellen. Und das ist in derzeit ein ganz wunderbarer Ansatz – so er eben pandemiekonform ist.


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