Konzerte

Van Morrison

Was unlängst in Van Morrisons Kopf vorging, als die Queen ihn zum Ritter ernannte, ist nicht überliefert. Doch seiner Dankesrede zufolge war der Songschreiber aus Belfast angetan. Die berüchtigte mürrische Miene hatte „grumpy Van“, wie die Landsleute den als maulfaulen und für gelegentlich staubtrockenen Humor bekannten Musiker liebevoll nennen, bei der königlichen Zeremonie abgelegt. Und das Timing der Queen könnte kaum besser sein. In ein paar Wochen wird der Nordire 70. Für das runde Jubiläum wirkt der „Sir“ nur angemessen – wie die Ehrung ohnehin den i-Tupfer einer produktiven Hochphase markiert. Seit Morrison im Jahr 2008 seinen Album-Klassiker „Astral Weeks“ in Gänze live aufführte, scheint er neue Lust am Spielen entdeckt zu haben. Sein jüngstes Studioalbum „Born to Sing: No Plan B“ gilt vielen als künftiger Klassiker, zuletzt folgten eine Platte mit Duosongs und ein dicker Gedichtband mit Songtexten. Mit Gedichteschreiben fing es schließlich einst an, als Van Morrison in den 50ern als Spross eines Hafen-Elektrikers in Belfast aufwuchs.
Mit seinen jüngsten Songs zeigt er sich frischer und vielleicht auch zorniger als noch während der Dekade zuvor, die von breit aufgestellten Bluesband-Arrangements geprägt war. Die aktuelle Band ist kleiner und luftiger: Es sind hellhörige Session-Cracks, die dichter dran sind an Morrisons stärkstem Instrument, seiner Stimme. Die ist auch nach fast 70 Jahren soulsatt und wandelbar – womit er seinen Kollegen Bob Dylan und Neil Young in musikalischer Hinsicht etwas voraushat. Seine Texte kann er damit wahlweise in feine Melancholie tauchen, sie zum murmelnden Stream of Consciousness formen, oder er kann poltern nach Art von „Gloria“, dem Proto-Garagerocker aus Them-Tagen.
Ansonsten bleibt Morrisons Grundton der des Melancholikers, dessen Hoffnung immer wieder enttäuscht wird, der sich aber auch weigert, diese ganz aufzugeben. Auf „Born to Sing: No Plan B “ macht er sich schwarzhumorig seinen Reim auf den entfesselten Kapitalismus, auf mediale Rundumberieselung und die Entwertung von Geistwelt und Sozialdenken. Der Blick gilt der Gegenwart, das war letztlich schon so, als er sich Anfang der 60er seinen Ruf als Chronist Nordirlands erspielte. Damals schrieb er über das Leben vor dem Fenster: auf der Straße seines Geburtshauses in Belfast oder im nahen Coney Island, wo er in jungen Jahren als Brotlieferant jobbte. In Songs verewigt ist auch der Hafen, wo der Vater arbeitete, der zu Hause eine der besten Plattensammlungen Nordirlands zusammengetragen hatte – Quell für Vans frühe Verinnerlichung von R’n’B und Blues.
Wenn Sir Van dieser Tage auf der Bühne eigene Klassiker wie „Brown Eyed Girl“  oder „Have I Told You Lately“ mit Blues-Einlagen von Sonny Boy Williamson oder Big Joe Williams mischt, ist das im Grunde eine Art erweitertes „Greatest Hits“-Programm. Dabei hat er sich laut eigener Aussage nie viel aus Hits gemacht, wichtiger sei ihm das, was man unter Dichtern als Autorenhandschrift bezeichnet.

Text: Ulrike Rechel

Foto: Sony Music

Zitadelle Spandau Am Juliusturm 64, Spandau, Do 23.7., 19 Uhr, ?VVK: 63 Euro zzgl. Gebühr

Mehr über Cookies erfahren