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Villagers

Villagers

Es kommt vor, dass sich gesellschaftliche Ereignisse mit dem privaten Leben überschneiden. Conor O’Brien ging es so, als im Mai 2015 Irlands Politiker über die Legitimierung gleichgeschlechtlicher Ehen entschieden – mit bekanntlich positivem Ergebnis. Für den Songschreiber aus Dublin sei es ein herrlicher Tag gewesen, erzählte er später. Kurz zuvor hatte er sein drittes Album unter dem Alias Villagers veröffentlicht. Auf „Darling Arithmetic“ beschäftigte er sich mit seinem Coming-Out und den Erinnerungen an eine von Ängsten und Repression belastete Jugend. Im Vergleich zu den experimentierfreudigen, elektro-durchwirkten Vorgängern wirkte das Album leise und einfach, was gut zum persönlichen Thema passte. Neben O’Briens feiner Stimme rückten auch seine Texte in den Fokus, in denen es darum ging, sich auszuliefern und hinzugeben. Inspiriert hatte ihn der US-Kollege John Grant, der in seinen Songdramen offen seine Homosexualität und HIV-positive Diagnose aufgreift. Nicht gar so schmerzhaft-abgründig gestaltete O’Brien seine musikalische Selbstreflexion. Fast ein bisschen zu harmonisch kommt gar der jüngste Wurf rüber: „Where have you been all my Live?“, eine Kollektion neu arrangierter Songs, die der Bandkopf mit seinen traumwandlerisch eingespielten Musikern live an nur einem Tag in London aufnahm. Die Platte wirkt wie ein Geschenk des Frühdreißigers an sich selbst, zum Abschluss eines dringlichen Kapitels.   

Text: Ulrike Rechel

Foto: Andrew Whitton

PBHFCLUB Möckernstr. 10, Kreuzberg, Mo 22.2., 20 Uhr, ?VVK: 20 Euro zzgl. Gebühr

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