Konzerte

Willis Earl Beal

Willis Earl Beal

2012 veröffentlichte er sein erstes Album „Acousmatic Sorcery“ für das Label Hot Charity, einer Unterabteilung der englischen Firma XL Records. Wer dort unter Vertrag kommt, kann sich nach den Erfolgen mit Adele und The xx auf eine große Zukunft einrichten. Aber so ein Typ ist Willis Earl Beal nicht. Er ist einer, der weiß, dass er sich auf eigene Art durchs Leben schlagen muss.
2013 verließ er die Firma wieder und erfreute sich zunächst am Privatleben. Er hatte geheiratet und war von New York in die ländliche Gegend des Bundesstaats Washington gezogen. Doch schon wenig später folgte mit der Scheidung, einem Umzug nach Portland, Obdachlosigkeit und Auseinandersetzungen mit Gesetzeshütern eine unglaubliche Pechsträhne. Beal musste das verarbeiten und tut es auf seinem jüngsten Album „Noctunes“. Er war ja schon vorher ein Künstler, dem man das raue Leben auf der Straße in Nachtballaden voller Soul in jedem Akkord anmerkt. Jetzt verarbeitet er die Erfahrung einer gescheiterten Ehe mit der minimalsten Musik, die er bisher veröffentlicht hat. „Flying So Low“ singt er zu Beginn und fasst damit einen Tiefpunkt in der Stimmungslage zusammen, nur begleitet von konstantem Synthesizer und Piano. Das passiert nicht nur ein einziges Mal. „Noctunes“ ist von unglaublicher Trauer bestimmt. Man hört dem Mann an, wie viele schlaflose Nächte er hinter sich gebracht hat. In einigen Fällen kommt der Einfluss von Terry Callier zum Vorschein, anderswo der von den großen Anti-Establishment-Helden R. Stevie Moore und Daniel Johnston. Am Ende dieser therapeutischen Reise steht in „Start Over“ die Hoffnung auf eine bessere Zeit. „Eine einfache Stimme wie die meine kann als Beispiel für eine Art von Freiheit dienen“, sagt er bezogen auf seine eigenen Ansprüche. Nach dem, was er bisher abgeliefert hat, kann man sich nur darauf freuen, was er als Nächstes zu bieten hat. Dieser Mann ist eine ehrliche Haut und nimmt in vollem Maße gefangen.

Text: Thomas Weiland

Foto: Andy Shauf

Bi Nuu Am Schlesischen Tor, Kreuzberg, Do 17.12., 21 Uhr, VVK: 13 Euro zzgl. Gebühr

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