Konzerte & Party

Kraftklub im Lido

Kraftklub

tip Die Erwartungen an euer zweites Album waren hoch. Hat euch das blockiert?
Felix Brummer?Lustigerweise war es gar nicht schwer. Wir standen im Proberaum und hatten keinen Bock mehr, die alten Songs zu proben. So kam es, dass wir neue Melodien ausgetestet haben. Wir hatten die Hälfte schon fertig, als uns überhaupt klar wurde, dass wir gerade an einem neuen Album arbeiten.

tip Euer erstes Album war ein ironisch-nachdenkliches Porträt eurer Generation. Nun wart Ihr ständig auf Tour und vom Alltag eher abgeschottet. Woher kamen da die Ideen?
Felix Brummer Die Texte sind uns bei Weitem nicht so leicht gefallen wie die Musik. Es gibt Lyrics auf der Platte, an denen saß ich zwei Jahre. Das liegt daran, dass man zum Texten Abstand von der Band braucht. Nur so befasst man sich wieder mit Themen, die nichts mit Musik zu tun haben, sondern mit dem ganzen anderen Kram, den es sonst so im Leben gibt. Dazu mussten wir aber erst wieder Nähe zum Freundeskreis aufbauen.

tip „In Schwarz“ ist nicht mehr so offenkundig, es entsteht mehr Interpretationsspielraum.
Felix Brummer Stimmt. Bei dieser Platte sind viele zweite Ebenen mit drin. Viel erschließt sich erst, wenn man sie ein paar Mal angehört hat. Trotz allem texte ich sehr direkt, eben so, wie man spricht. Ich bin kein Fan von schwebenden Lyrics, die jeder für sich selbst vervollständigen muss.

tip Texte von derzeit hochgelobten Bands wie Messer, Die Nerven oder Trümmer sind also nicht euer Fall?
Felix Brummer?Ich finde es doof, wenn bei Bands die Kunst über der Musikalität steht. Wenn das zwar krass lyrisch und hochintellektuell ist, mich aber nicht berührt. Schön, dass irgendwelche Germanistik-Studenten darüber Vorlesungen halten können, aber wenn es mich nicht kriegt, wurde da meiner Meinung nach auch nichts Tolles geschaffen. Es sollte schon noch Rock’n’Roll bleiben.

tip Du schreibst die Texte ganz alleine, Felix?
Felix Brummer?Ich schreibe zwar die Texte, aber die müssen natürlich so sein, dass sich die Jungs dahinter stellen können. Die Lyrics handeln ja auch nicht nur von mir, sondern von uns allen beziehungsweise von unserem ganzen Umfeld. Dazu brauchen sie schon eine gewisse Stichfestigkeit. Wenn Till sagt, das ist mir zu seicht, dann muss ich noch mal ran.
Till Brummer?Ich hab immer ein gutes Auge dafür, Hits scheiße zu finden. „Songs für Liam“ fand ich ewig zu kitschig. „Immer wenn du mich küsst“ zu singen, da hat sich alles in mir gekrümmt.

Kraftklubtip So sucht Ihr also eure Singles aus: Till findet ein Stück scheiße, also muss das der Song mit dem größten Hitpotenzial sein!?
Felix Brummer?(lacht) Eine Single auszuwählen, ist echt nicht so einfach. Da treffen meistens fünf verschiedene  Meinungen aufeinander. Diesmal waren wir uns aber recht schnell einig, dass wir „Unsere Fans“ lustig finden.

tip … ein offenes Dissen eurer Anhänger.
Felix Brummer?Ich finde die Vorstellung lustig, dass es Fans gibt, die sich den Track anhören und denken: „Das kann ja wohl nicht wahr sein! Was ist denn mit denen los? Ich hab doch ihre Platte gekauft!“ Ich glaube aber, dass unsere Fans schlau genug sind. Schlaue sympathische Leute.
Till Brummer?Und hübsch. Und sportlich. Und erfolgreich. Das ist natürlich wichtig, weil die dann auch solvent sind. (lacht)

tip Auf eurem neuen Album gibt es einen Song, der aus dem Raster fällt: „Meine Stadt ist zu laut“. Ziemlich bluesig, ziemlich old school. Wie kam’s dazu?
Felix Brummer Wir haben immer das Gefühl, eigentlich müssten wir mal einen langsamen Song machen, weil wir immer so nach vorne preschen. Das Ding ist aber, dass wir dann nie Bock haben, die langsamen Stücke zu spielen.

tip Inhaltlich geht es darin um Gentrifizierung. Und damit ist „Meine Stadt ist zu laut“ längst nicht die einzige ernste Nummer.
Felix Brummer?Das ist für mich das Schöne an dem Album, dass man lustige und ernste Songs hat. „In Schwarz“ ist wie ein Gespräch mit einem guten Freund an der Bar. Da klopft man auch nicht nur ständig Sprüche oder ist ironisch – das ist langweilig. Wenn man zu ernst und depri ist, wird es aber auch anstrengend. Am besten ist es doch, wenn sich ernste und lustige Themen die Waage halten. So wollen wir auch Musik machen.

tip Wohnt Ihr denn inzwischen in Berlin? Ich sehe dich ziemlich oft hier abhängen, Felix.
Felix Brummer?Ich habe schon gewartet, bis diese Frage kommt. Die Hamburger Journalisten haben wenigstens den Anstand zu fragen, ob wir noch in Chemnitz wohnen, meinen aber natürlich das Gleiche. Ihr geht gleich davon aus: Wenn, dann ziehen wir hierher.
Till Brummer?Die selbstverliebten Berliner.
Felix Brummer Wir haben immer das Gefühl, dass wir uns rechtfertigen müssen, dass wir immer noch in Chemnitz wohnen. Auch immer so dieses „noch“. Unser Management stellt uns diese Frage nicht mehr.
Till Brummer Wir sind nicht ungern in Berlin, sondern einfach nur gern in Chemnitz.

Interview: Henrike Möller

Fotos: Christoph Voy

Kraftklub
Lido, ?Cuvrystraße 7, Kreuzberg, Fr 17.10. 20 Uhr, ?ausverkauft
Max-Schmeling-Halle, Am Falkplatz, Prenzlauer Berg, Fr 6.3.2015, 19.30 Uhr, VVK: 30 Euro zzgl. Gebühr

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