Konzerte & Party

Krake Festival in Berlin

krake_festivalBerlins Nachtleben ist vielfältig, keine Frage. Über 100 Clubs gibt es in der Stadt. Man könnte meinen, da müsste dann auch für jeden etwas dabei sein. Wenn Nico Deuster, 36, und Holger Hilgers, 34, das hören, schütteln sie den Kopf. Denn wer zu Musik jenseits des Viervierteltaktes tanzen möchte, der muss suchen, und nur selten ist diese Suche dann auch erfolgreich.
Deuster und Hilgers wollen das ändern. Deshalb haben die beiden im vergangenen Jahr zum ersten Mal das Krake Festival veranstaltet. „Wir zeigen dort Künstler, die musikalisch Grenzen überschreiten“, sagt Deuster und meint Grenzen, die in Berlin irgendwo am Rande von House und Techno verlaufen, meint Dubstep, Noize, Electronica oder Ambient. Im Januar gab es bereits eine Mini-Neuauflage, jetzt steigt das zweite große Krake Festival: sechs Tage an fünf Orten.

„Ja, mit dem Namen ist dieses Viech gemeint“, sagt Hilgers. Der Name war seine Idee. „Nico ist sehr umtriebig, hat in vielen Projekten seine Finger drin, wie eine Krake eben.“ Deuster versucht unter anderem mit seiner Veranstaltungsagentur Killekill, Musik jenseits des Mainstreams zu etablieren. Killekill hat mittlerweile einen festen Platz im Berliner Nachtlebenwochenkalender, jeden Mittwoch in der Berghain-Kantine. Die Bookings sind derart breit aufgestellt, dass die Besucher nie wissen, was sie beim nächsten Mal erwartet. Das schreckt dann die ab, die mit einer konkreten Abendidee losziehen, die gehen dann lieber da hin, wo sie genau wissen, was sie bekommen. „Deshalb fehlt vielen Veranstaltern einfach der Mut, Neues zu probieren“, sagt Deuster.

Die beiden wissen, dass vor allem die Liebhaber zum Krake Festival kommen werden, die DJs und Produzenten. Deswegen verlosen sie auch unter all jenen, die ein Festival-Kombiticket kaufen, die „Maschine“ von Native Instruments, einen Hardware-Controller, und ein Software-Paket zum Musikproduzieren. Fragt man Deuster und Hilgers nach dem Programm, dann erzählen sie von Klaus Beyer, der dadaistische Klangwelten entwirft; von Alexander Spree, der mit Klavier, Piano und Mischpult Berliner Chansons verfremdet; von Jimmy Edgars Elektro-Funk, der „wie Hölle rockt“; von Mika Vainio aus Finnland, der schon am Großen Stern ein Konzert aus Autohupen ertönen ließ. Und dann ist da noch Lars From Mars, ein Däne mit schlohweißen Haaren, der gleich mehrere Musikprofessuren hält und live Algorithmen kreiert.

Das alles auf der Bühne zu sehen mit aufwendiger Visual Art, etwa im Hof des Sui­cide Circus, in der Volksbühne oder an der Spree hinter der Maria im Chez Jackie, das ist vielleicht die Chance, sich eine Musik zu erschließen, die man ohne Fachwissen kaum findet. Deuster und Hilgers, der selbst als Adam Weishaupt im Programm steht, haben monatelang geplant, Dramaturgien für die einzelnen Abende gestaltet. Die Besucher sollen nicht nur zuhören, das Krake Festival soll auf keinen Fall verkopft sein, wie man es vielleicht der Transmediale vorwerfen könnte. Die Leute sollen auch feiern. Dass das geht, wissen die beiden aus dem letzten Jahr: „Es gab eine unheimliche Euphorie“, sagt Holger. „Die Musik, die wir zeigen, klingt vielleicht kompliziert, ist es aber gar nicht.“

Text: Anne Lena Mösken

Foto: Benjamin Pritzkuleit

Krake Festival Mo 15.–Sa 20.8., VVK: 6–13 Ђ, AK: 8–15 Ђ, Kombi­tickets: 45 Ђ (auf 200 Stück limitiert). Das Line-up, alle Locations und alle weiteren  Infos unter www.krake-festival.de

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