Konzerte & Party

Kreativität und Reife

Hagen LiebingNun ist es also beschlossene Sache: Berlin bekommt sein Musicboard und obendrauf sitzt zu Jahresbeginn 2013 eine Pop-Beauftragte oder ein Pop-Beauftragter. Aber es gibt schon wieder Grund zu meckern: Einige Clubbetreiber monieren, dass mit einer Million Euro doch gar nichts zu schaffen wäre. Zumal in diesem Betrag auch noch Personal- und Bürokosten enthalten seien, folglich also noch weniger bei der Szene ankäme.    
Eine ziemlich egozentrische Betrachtungsweise, denn es soll sich bei dieser neu geschaffenen Institution doch gar nicht um eine Versorgungsanstalt handeln. Es geht ums Gutwettermachen und ums Netzwerken, um eine „Schnittstelle für Kreative, Verwaltungsleute und Standortverwalter“ (Björn Böhning, Chef der Senatskanzlei). Die finanzielle Ausstattung des oder der Pop-Beauftragten ist also primär dazu gedacht, die Arbeit und die Arbeiter für dieses Anliegen zu finanzieren, nicht um eine weitere Gießkanne mit Zuwendungen zu füllen.
Und es zeugt auch nicht unbedingt von Kreativität und Reife, wenn mittlerweile arrivierte Leute, die ihre Berlin-Residenz vielleicht einmal mit den Worten „Haste mal ’ne Mark?“ begonnen haben, die eigenen Ansprüche zehn bis 20 Jahre später lediglich zu einem „Haste mal ’ne Million?“ variieren können. Irgendwann sollte man gelernt haben, sich selbst zu helfen und die Fördermittel lieber jenen überlassen, die gerade erst mit einem schüchternen „Haste mal ’nen Euro?“ beginnen.

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Foto: Harry Schnitger/tip

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