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Kreator spielen im Huxley\s

KreatorZu Berlin haben die Trash-Veteranen schon immer ein ganz besonderes Verhältnis, wie Sänger und Gitarrist Milan „Mille“ Petrozza im tip-Interview verriet. Ein Gespräch über die globale Sprengkraft des Heavy Metal und ein Beitrag zur Klärung einiger Missverständnisse über das Ruhrgebiet.

tip In letzter Zeit ist das Metal-Genre enorm populär geworden. Die Platten verkaufen sich gut, und eine Reihe von Dokumentarfilmen hat sich dem Phänomen gewidmet, darunter die Nuclear Blast-Story „Heavy Metal auf dem Lande“ und der Wacken-Film „Full Metal Village“ …
Milan Petrozza Die Regisseurin von „Full Metal Village“ wollte eigentlich gar keine Doku über Heavy Metal drehen, sie wollte einen Heimatfilm machen. Sie fand es faszinierend, wie so ein kleines Dorf in Schleswig-Holstein von Horden von Heavy-Metal-Fans überfallen wird und dass das auch noch super klappt. Aber es stimmt schon, das Interesse für Metal ist wieder größer geworden. Es war lange Zeit total uncool, Metal zu hören. Jeder hatte zwar ein paar Platten zu Hause, aber wenn man ausgegangen ist, wollte man das nicht zugegeben. Ich habe das nie verstanden. Es ist doch nichts Schlimmes, wenn man sich sowohl für Arcade Fire als auch für Manowar interessiert.

tip Wie erklären Sie sich das gesteigerte Interesse am Metal?
Petrozza Metal ist einfach zu groß geworden. Das kann man nicht mehr ignorieren. Wacken wurde am Anfang belächelt, da sind vielleicht 3000 Leute hingegangen. Heute ist es mit 80.000 Besuchern das größte Metal-Festival der Welt, und plötzlich ist es total en vogue, ein Wacken-Tourist zu sein. Ich glaube, dass sich Metal als Genre mittlerweile so etabliert hat wie Jazz oder Blues oder Rock. Daran gibt es nichts mehr zu rütteln.

tip Spüren Sie die neue Begeisterung für Metal auch mit Kreator?
Petrozza Klar fällt uns auf, dass sich auf einmal alle für uns interessieren – gerade beim neuen Album ist das sehr deutlich geworden. Ich finde das gut und rede gerne auch mal mit anderen Medien als immer nur mit den üblichen Metal-Gazetten, um einfach auch mal ein paar Dinge klarzustellen. Dem Metal wird immer unterstellt, dass er eine stumpfe und konservative Musikrichtung sei, bei der es nur um Dorffeststimmung und Bierseligkeit geht. Das ist zwar auch der Fall, aber eben nicht nur. Metal ist facettenreicher als das, was in die Außenwelt getragen wird. Genau wie bei allen anderen Musikrichtungen gibt es konservative und progressive Strömungen. Im Großen und Ganzen ist Metal nur ein Spiegel der Gesellschaft.

tip Es ist auffällig, dass sich nicht nur die Medien mehr und mehr für Metal interessieren, auch in der Mode und in der Kunst häufen sich die Bezüge.
Petrozza Das finde ich gerechtfertigt. Wie oft wurde Punk zitiert, wie oft wurde gesagt, dass Punk die Ästhetik der Neuzeit beeinflusst hat. Es gibt aber auch viele Künstler und Designer, die Einflüsse aus der Metal-Welt aufnehmen. Wenn du dir einen Film wie „300“ anschaust, dann weißt du, dass der Typ, der sich das ausgedacht hat, schon mal eine Metal-Platte gehört hat. Das geht in alle Bereiche. Ich finde es gut, dass nicht mehr nur Punk das Ding ist, auf das sich alle beziehen, sondern dass auch Metal eine Quelle der Inspiration sein kann.

tip Trotzdem tun viele Metal-Bands so böse, dass es manchmal unfreiwillig komisch wirkt.
Petrozza Natürlich hat das alles manchmal auch einen komödiantischen Beigeschmack. Wenn ich den „Metal Hammer“ durchblättere, dann finde ich jede zweite Band lustig. Ich finde dieses Pathos zum Teil auch nicht nachvollziehbar, aber das muss es trotzdem geben. Es ist schließlich Unterhaltung. Klischees werden im Metal ebenso ausgelebt wie anderswo auch.

tip Kreator sind nun seit rund 25 Jahren im Geschäft. Hat die Band in dieser langen Zeit auch auch Durststrecken erlebt?
Petrozza Mitte, Ende der Neunziger gab es eine Durststrecke. Damals wurde Metal weitgehend ignoriert. Das waren wirklich komische Zeiten. Niemand hätte damit gerechnet, dass es jemals noch mal so ein Phänomen wie Wacken geben würde. Leute, die vorher in Metal-Bands gespielt hatten, verkleideten sich plötzlich als Grunge-Rocker und taten so, als hätten sie noch nie was mit Metal am Hut gehabt. Das war grotesk und traurig. Kreator haben trotzdem weitergemacht und irgendwie die Fahne hochgehalten, auch wenn es schwierig war. Auch musikalisch war es nicht einfach, weil wir in dieser Zeit in unsere experimentelle Phase eingetreten sind. Wir hatten einfach ein bestimmtes Alter erreicht, in dem wir gedacht haben: Wir machen das jetzt schon, seit wir sechzehn sind; jetzt sind wir Mitte zwanzig und möchten uns mal in eine neue Richtung entwickeln. Da haben wir dann ein wenig herumexperimentiert. Na ja, es war eine unschöne Zeit für Metal insgesamt. Rob Halford hat damals ein Indus­trial-Album gemacht! Grauenvoll!

Interview: Heiko Zwirner

Lesen Sie das vollständige Interview in tip 05/09 auf den Seiten 64-67

Kreator + Caliban + Eluveitie + Emergency Gate, Huxley’s, Di 3.3., 19 Uhr, VVK: 26,30 Euro.

Tickets unter www.tip-berlin.de/tickets

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