Konzerte & Party

Künstlerpech

Hagen LiebingWas für ein Schrecken: die Scissor Sisters, ein Haufen lustiger Hedonisten, die nur Partyspaß und Liebe wollen, müssen ihre Tournee mittendrin absagen, weil sich die Sache finanziell nicht mehr rechnet. Was kann man daraus schließen? Dass die Produktionskosten ihrer Konzerte aus dem Ruder liefen, weil zu viele Konfettikanonen mit auf Reisen genommen wurden? Dass die Zuschauer der nun abgesagten Auftritte in Hamburg, Köln, München und Festlandeuropa ausbleiben, da sie die Begeisterung der Band fürs Berghain nicht teilen? Dass ein Auftritt bei „Wetten dass?“ auch nichts mehr wert ist? Oder dass sich einfach kein Hit auf dem neuen Album „Night Shift“ findet, mit dem man Leute ködern kann?
Künstlerpech, wie man es schon immer kannte – nur scheint diese Absage auch beredtes Zeugnis dafür zu sein, wie beim derzeitigen Wandel im Musikgeschäft das letzte bisschen Abenteuer verlustig geht.
Seit mit CDs vermeintlich nichts mehr zu verdie­nen ist und ein verbissenes Gerangel um den Konzertmarkt eingesetzt hat, fühlt sich das Publikum zunehmend übersättigt und der Künst­ler ausgezehrt von den in immer kürzeren Abständen stattfindenden Tourneen. Nicht mehr Produkte und Promo-Clips sorgen für Umsatz und Werbung, sondern die Musiker müssen wieder dauertingeln. Und der Ausflugscharakter ist dabei längst einem harten Broterwerb gewichen.
Mit der Zunahme von Laptops auf den Konzertbühnen hatte man ja früher oft gewitzelt, dass da wohl gerade der Keyboarder die aktuellen Umsatz­zahlen abruft – heute ist das traurige Realität.

Sie wollen dem Autor Ihre Meinung sagen? Bitte sehr: [email protected]

Foto: Harry Schnitger/tip

Lesen Sie hier weitere Kommentare von Hagen Liebing:

Legale Dilettanten

Mehr über Cookies erfahren