Konzerte & Party

Kurt Vile im Bi Nuu

Kurt Vile

In den Neunzigern war der Begriff des Slackers sehr gebräuchlich. Gemeint waren Sänger, die sich provozierend leger gaben und sich wie die größten Drückeberger unter der Sonne aufführten. Als prominenteste Vertreter sind Beck oder Stephen Malkmus von Pavement noch gut in Erinnerung. Heute redet man weniger von dieser Musikergattung. Völlig ausgestorben ist sie aber nicht. Der Sonderling Kurt Vile aus Philadelphia erzählt ganz offen davon, dass er nicht gewillt ist, an diesem unseren Leben teilzunehmen. „Think I’ll never leave my couch again, ‚cause when I’m out, I’m only on my mind“, lässt er in „Ghost Town“ wissen. Morgens schlafe er lange durch, erst abends wache er richtig auf. Mit dieser Einstellung hat sich Vile schnell Kultstatus erspielt. Was keine große Überraschung ist. Die Sehnsucht nach Abkopplung vom kapitalistischen Dauerstress ist groß, da spricht ein untertouriger Typ wie er den Menschen aus der Seele. Es hilft dabei ungemein, dass Vile als Songschreiber zunehmend Fortschritte macht. Mehrere seiner Songs ziehen sich hin und erreichen eine Spielzeit von fast oder über zehn Minuten. Im ersten flüchtigen Moment befürchtet man, dass sich dieser Kerl bloß ausmären will. Aber das Gegenteil ist der Fall. „I might be adrift but I’m still alert“, berichtet er in „Goldtone“, einem der Ohrwürmer auf seinem neuen Album „Wakin On A Pretty Daze“. In der Tat wirkt er für seine Verhältnisse jetzt richtig aufgeweckt. Selbst wenn es ihn mit seiner Gitarre ins psychedelische Jenseits zieht, bleibt immer noch eine brauchbare Melodie bestehen oder belebt ein schnellerer Rhythmus. Manchmal braucht es eben seine Zeit, bis man sich als Musiker etwas zutraut.

Text: Thomas Weiland

Kurt Vile & The Violators, Bi Nuu, Do 6.6., 21 Uhr, VVK 15 Ђ zzgl. Gebühr

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