Konzerte & Party

The Kyteman Orchestra im Heimathafen Neukölln

theKytemanOrchestra_c_IAMKATWenige Musiker kommen zu ähnlichen Ehren wie Colin Benders: Noch im Schüleralter wurde der Trompeter mit einem Stipendium am Musik­konservatorium in Utrecht ausgestattet. Doch brach der Spross einer Künstler- und Gelehrtensippe das Studium ab, um lieber sein eigenes kreatives Spielfeld zu entwerfen, The Kyteman Orchestra. Die Großband des heute 24-Jährigen klingt in etwa so, als vertone Tom Waits ein verschollenes Musical von Pink Floyd: Klassische Instrumente und Sänger treffen auf eine um Synthesizer erweiterte Rockband, Rapper verdunkeln den opulenten Freistil-­Rock mit prophetischen Reimkaskaden. Seit auch noch ein Chor ins Aufgebot gerückt ist, drängeln sich rund 50 Musiker auf der Bühne und folgen gebannt ihrem quirligen Dirigenten. Ein erstes Album wurde 2009 zum Überraschungserfolg in den holländischen Charts.

Den Finanzschub nutzte Benders alias Kyteman, um seinen Traum eines kreativen Indie-Horts zu verwirklichen. In einem alten Sägewerk finden sich nun das bandeigene Label Kytopia Records, Live-Bühnen, Wohnungen sowie ein Studio, in dem auch das neue Album entstand. Darauf treibt die Band das Rocksong-Format weiter an die Grenzen und schlägt kühne stilistische Haken. Teils erinnern strenge Arrangements von Streichern und Holzbläsern an den klassischen Wohlklang Michael Nymans, woanders verbreiten lodernde Beats und erzählerischer Gesang Großstadtmelancholie nach Trip­Hop-Art. „Angry at the World“ schließlich setzt das zivilisationskritische Grundmotiv der Platte und schwelgt dafür in Floyd-geschultem Breitwand-Klang.

Text: Ulrike Rechel

Foto: IAMKAT

The Kyteman Orchestra Heimathafen Neukölln, Fr 15.3., 21 Uhr, VVK: 25 Ђ zzgl. Gebühr

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