Konzerte & Party

„La Roux“ im Lido

La RouxElly Jackson ist gerade mal 20 Jahre alt, sieht aus wie Tilda Swintons schrille Tochter und hat rote Haare, die in Form einer Tolle herunterfallen. Die Sängerin ist dermaßen stolz auf ihr Erscheinungsbild, dass sie es mit dem Künstlernamen La Roux (frz. die Rothaarige) abfeiert. Man mag das für einen Gag halten, aber die Briten sind von Elly und ihrem deutlich älteren musikalischen Begleiter Ben Langmaid bereits überzeugt. „I’m goin’ in for the kill, I’m doin’ it for a thrill“, tönt die junge Dame reichlich forsch zu kantig produzierten Synthesizerklängen. Auch im Interview gibt sie sich nicht gerade zurückhaltend. „Manchmal wünschte ich mir, ich hätte in den Achtzigern mit dem Singen und Musikmachen angefangen. Damals hatten die Leute eine unverwechselbare Persönlichkeit und ein starkes Image, waren erfolgreich damit und nicht als Spinner verschrien. Es reicht schon, wenn man sich auf Prince, New Order oder Tears For Fears beschränkt. Allein diese drei Künstler hatten schon mehr Grips und Seele als das ganze geistlose Zeug, mit dem wir heute zugemüllt werden“, posaunt sie. Ganz besonders macht ihr der sprachliche Verfall zu schaffen: „Ich höre da lieblos aneinandergereihte Zeilen, die zusammen überhaupt keinen Sinn ergeben. Wahrscheinlich verheddert sich die Person, die sich Songschreiber nennt, in Gedanken so sehr im Dickicht von Sex, Ausgehabenteuern, Zuhältern und Huren, dass sie vor lauter Erregung nicht mehr an die korrekte englische Sprache denkt. Wir brauchen bessere Leute.“ Als Gegengift erscheint dieser Tage das nach La Roux benannte Debütalbum. Elly und Ben haben eine Reihe von pfiffigen Popsongs am Start, bei denen man nicht lange überlegen muss, von wem sie inspiriert sind. Wer nie über den Abgang der Eurythmics oder von Yazoo hinweggekommen ist, wird sich vor Glück kaum einkriegen können.
Das Achtziger-Revival geht also in die nächste Runde. Eigentlich dachte man, die Angelegenheit hätte sich erledigt. Es gab Electroclash, Zoot Woman, Ladytron und unzählige alte Bands von früher, die wieder aufgetaucht sind. Jetzt plötzlich hat raffiniert aufgetakelter Synthesizer-Pop wie­­der Hochkonjunktur.

Lesen Sie den vollständigen Artikel über LaRoux und Little Boots in tip 14/09 auf den Seiten 74-75.

Text: Thomas Weiland

Foto: Antony Burdett-Clark

La Roux, Lido, Mo 6.7., 21 Uhr, VVK: 13 Euro

Tickets unter www.tip-berlin.de/tickets

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