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Lady Gaga: Artpop

Lady Gaga: ARTPOPEin Schnurrbart-Auftritt vor ausgewählten Fans in Berlin und eine abgehobene Performance mit dem Flugmobil Volantis – Gaga hat einiges getan, um sich wieder ins Gespräch zu bringen. Scheinbar hatte sie Bedenken, dass es mit Musik allein nicht klappt. Die bereits bekannten Singles „Applause“ und „Do What U Want“ waren ja nicht so erfolgreich. Immerhin sind sie beide noch ganz erträglich, was sich von vielen anderen Kreationen auf „ARTPOP“ nicht behaupten lässt. In „G.U.Y.“ wird man von einem brachialen Synthesizer-Sound erdrückt, der aus dem Hause Skrillex stammen könnte. Der Disco-Beat stampft unerbittlich wie im Bierzelt und selbst die süßlich-hymnische Melodie suggeriert: Friss oder stirb! Das hat nichts mit Kunst zu tun, das ist ein Gewaltakt.
In „Jewels ’n’ Drugs“ gastieren mit T.I., Too Short und Twista drei Rapper, die in ihrem Genre nicht zu den Vordenkern zählen. Der Track passt überhaupt zu diesem Album. In „Manicure“ steckt ein angerockter Beat, der wie der in „My Sharona“ sein will. Aber die Melodie sitzt nicht und der ganze Aufwand, den Gaga betreibt, um die Rock-Dance-Mischung hinzukriegen, wirkt verzweifelt. Es geht aber noch schlimmer. „I need you more than dope“, insistiert Germanotta in einer Power-Ballade im Stil von Bonnie Tyler, an der auch der omnipräsente Rick Rubin seinen Anteil hat. Die New Yorkerin soll ja unlängst 15 Joints pro Tag geraucht haben. Ob das stimmt? Bei so vielen Zügen müsste ihr eigentlich Kreativeres einfallen. Gerettet, wenn man das überhaupt sagen kann, wird das Album nur von einem Song. In „Fashion!“ verzichtet Gaga auf die Vollgas-Sound-Artillerie aus dem Future-Labor. Der Funk-Groove mit einem Bass wie bei Bernard Edwards fühlt sich edel an, der Überschwang endet nicht in Überkrampf und selbst das krachige Outro nimmt man mit. Ansonsten diskreditiert sich die Frau mit einer Vehemenz, die an Selbstzerstörung grenzt.

Text: Thomas Weiland

tip-Bewertung: Uninteressant (2/5)

Lady Gaga, ARTPOP (Interscope / Universal)

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