Konzerte & Party

Lady Gaga besuchte die O2 World

lady_gaga_o2_worldEigentlich geht man ja zu einem Konzert, weil man die angekündigten Musiker auch sehen will. In der O2 World war es aber lange nicht so einfach, Lady Gaga inmitten des Brimboriums auf der Bühne zu entdecken. Die sonst so extrovertierte Diva gab sich zunächst verhüllt und ließ sich auf einem mechanischen Pferd über den Laufsteg führen. Es gab unzählige klobige, den Körper bedeckende Kostüme und extravagante Hüte aus längst vergangenen Epochen zu sehen. Hauptbestandteil des Bühnenbildes war eine Kulisse in Gestalt eines mittelalterlichen Schlosses, das die Crew jeden Tag sieben Stunden aufbauen muss. In Fensteröffnungen erkannte man fünf Musiker, sie spielten halb verdeckt. Dass Lady Gaga wirklich da war, merkte man, als sie den Reißverschluss einer riesigen, aus dem Schloss quellenden aufblasbaren Vagina öffnete und vor ihr reichlich erschienenes Publikum trat. Es war ein seltsames Spektakel mit Opern-, Musical- und Slapstick-Elementen.

Bodenständig wurde es, als die New Yorkerin in aller Ausführlichkeit zu ihren Fans sprach. Sie redete über Deutscherländ, lobte Berlin als Entstehungsort des Songs „Scheiße“, bezeichnete sich als harte Arbeiterin, betonte die Gleichheit aller Menschen und gab vor, dass ihr der ganze Luxus nichts bedeute. In der Art ging es immer weiter, aus Lady Gaga wurde Lady Blabla. Die treuesten der treuen Anhänger standen in einer Monstergrube direkt vor der Bühne. Von dort aus konnten sie Frau Germanotta Geschenke überreichen. Ein Reiseführer war dabei, ein Einhorn-Stofftier und eine beschriftete Toilettenrolle. Als Highlight durfte eine vorher ausgewählte, auch blonde weibliche Bewunderin auf die Bühne. Gaga hatte es sich gerade wenig mittelalterlich auf einem Motorrad mit Keyboard gemütlich gemacht und redete immer noch. Bald saßen die beiden Frauen eng umschlungen auf dem heißen Ofen und sangen „Princess Die“. Das stand so sicher nicht im Skript, offenbarte aber, dass manches ohne bombastische Bühneninszenierung doch viel besser geht.

Text: Thomas Weiland

Foto: Siemens S65 (So sieht es aus, wenn Lady Gaga keine professionellen Fotografen bei ihrem Konzert zuläßt)

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