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Lady Gaga: „Born This Way“

lady_gaga_born_this_waySie hat es wirklich getan. Lady Gaga hat auf ihrem zweiten, alles entscheidenden, den Glauben an die Kraft des großen POP zurückgebenden Album einen Song namens „Scheiße“ platziert. Für den Fan kommt solche Wortwahl nicht überraschend. Gaga hatte schon bei der sensationellen Monster-Show im letzten Jahr mit Deutschkenntnissen dieser Art brilliert. Musikalisch gesehen ist „Scheiße“ natürlich besser, als man angesichts des Titels denkt. In diesem Song steckt alles, was man an der durchgeknallten Diva mag. Sie veranstaltet einen Haufen Blödsinn mit Sprachfetzen, die aus dem Drehbuch von Monty Python’s stammen könnten, appelliert mitten im gagaistischen Wortschwall ernsthaft ans Selbstbewusstsein („If you’re a strong female, you don’t need permission“) und verarbeitet ihre Eindrücke vom Besuch im Berghain mit voller Bassstärke.

„Born This Way“ (Interscope/Universal) brüskiert sensible Gemüter. „Born This Way“ ist grell, exzessiv, dämlich, gewitzt, bombastisch und trashig. Es ist ein Mainstream-Album, auf dem erstaunlich zickige Sachen passieren. Gaga spielt ein Biest, das zu fiesem Elektro-Tuckern die Krallen ausfährt. In „Bloody Mary“ singt sie zu strengen Stimmen aus dem Off, die von den slowenischen Kunstprovokateuren Laibach stammen könnten. Am Ende erscheint sie wie Marlene Dietrich im futuristischen Traum. Das Bikerbraut-Cover hat auch seinen Sinn. Heftige Rock-Adrenalinstöße sorgen immer mal wieder für Unruhe, gerne auch in aufgedunsener Form wie bei Meat Loaf. Wir machen Bekanntschaft mit ihrem „Heavy Metal Lover“, den sie aber mit erstaunlich coolem Ladytron-Vibe beschreibt. So was kann man sich wahrlich nicht bei einem Sektumtrunk von Bankangestellten vorstellen. Dafür ist Gaga zu bissig, böse und übergeschnappt. Sie peilt Riesenerfolge an, aber stets unter der Bedingung, dabei ein Freak bleiben zu können. Dieser Balanceakt gelingt ihr hier auf spektakuläre Weise.

Text: Thomas Weiland

tip-Bewertung: Herausragend

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